18.05.2012
Gegenpositionen

Der inszenierte “Riester-Skandal”

Hatte der GDV die Öffentlichkeit falsch informiert, als er methodische Tricks in der DIW-Studie kritisierte, die den Riester-Produkten ein katastrophales Zeugnis ausstellte? Der Chef des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, der noch in seiner vorherigen Tätigkeit als Versicherungsmathematiker die Berechnungen für das DIW fertigte, drohte dem GDV sogar rechtliche Schritte an. Anlass genug, noch einmal für Klarheit zu sorgen.

Die DIW-Studie überraschte mit der öffentlichkeitswirksamen These, man müsse 110 Jahre alt werden, damit sich die “Riester-Rente lohnt”, beziehungsweise mindestens 84 Jahre, um wenigstens die gezahlten Beiträge zurückzubekommen. Eine Analyse der durchgeführten Rechnungen offenbarte, dass diese Zahlen eine mit Hilfe methodischer Tricks geschickt inszenierte Irreführung der Öffentlichkeit darstellten. So wurden für die “Rentabilitätsrechnungen”, die die skandalisierten Zahlen im Kern begründeten, nur die gesetzlich (!) festgelegten Höchstrechnungszinsen von 2,25 Prozent (ohne Überschussbeteiligung) verwendet. Es wurde also angenommen, dass Lebensversicherer in den kommenden Jahrzehnten keine Überschüsse erwirtschaften. Gleichzeitig wurde die Wirkung der Zulagenförderung systematisch herausgekürzt.

Förderwirkung der Zulagen aus Studie herausgekürzt
Zunächst zu den staatlichen Zulagen: Der BDV insistiert, das DIW habe sehr wohl die Zulagen einberechnet. Das ist nur bei haarspalterischer Betrachtung richtig. Denn die Zulagen wurden zweifach verbucht, einmal als Förderung, einmal als Rückforderung. Im Ergebnis aus Sicht des einzelnen Riester-Sparers wurde die Förderwirkung der Zulagen herausgekürzt, indem die Zulagen quasi in den Zähler und den Nenner der Renditeformel geschrieben wurden. Die Studienergebnisse sind genau so, als wären von vornherein gar keine Zulagen gewährt worden. Ob jemand Kinderzulagen bekommt oder nur die Grundzulage, ob jemand überhaupt förderberechtigt ist, all das spielt in der DIW-Methodik für das Ergebnis keine Rolle. Die in den Medien transportierte Frage: „Lohnt sich die Riester-Rente?“ wurde effektiv gar nicht untersucht.

Der zweite methodische Kniff wird anhand der gewählten Rahmenbedingungen der Modellrechnung deutlich. Um die Aussage zu belegen, man müsse 110 Jahre alt werden, damit sich Riester lohnt, wurde untersucht, wie man allein mit der garantierten Mindestleistung eine Rendite von 2,5 Prozent erreichen kann. Allerdings durfte zum Zeitpunkt der Untersuchung kein Anbieter einen Kapitalertrag von mehr als 2,25 Prozent garantieren. Und daraus müssen wie bei jedem Produkt natürlich auch Kosten abgedeckt werden. Die vom DIW konstruierte Aufgabe war folglich von vornherein unerfüllbar, da man aus einem Produkt nicht mehr Rendite erzielen kann, als qua Rechenannahme (da ohne Überschussbeteiligung) hineingegeben wurde. Damit ist die Aussage, man müsse schon sehr lange Rente beziehen, um eine Rendite von 2,5 Prozent zu erhalten, also einen Wert, der höher ist als gesetzlich für Garantieleistungen überhaupt zugelassen, keine seriös errechnete Erkenntnis, sondern ein inszenierter Skandal.

Auch Kleinlein errechnete ordentliche Renditen
Das DIW hatte daneben auch Rechnungen mit Überschussbeteiligung veröffentlicht. Dabei ergeben sich Werte, die mit der normalen Lebenserwartung der Versicherten durchaus in Einklang stehen. Und so kommt selbst der vom DIW für die Berechnungen beauftragte Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein im Juni 2011 für Öko-Test zu ordentlichen Produktrenditen von 3 bis 4 Prozent. Und selbst diese Werte wurden ohne Zulagenförderung errechnet.

Die vermeintliche Pointe, man müsse schon Heesters heißen, damit sich Riester lohnt, wurde folglich mithilfe verschiedener Tricks und irrealer Annahmen inszeniert, die die Überschussbeteiligung und die Förderwirkung der Zulagen gezielt außer Acht lassen. Das DIW hat damit in der Öffentlichkeit den Eindruck verankert, Riester lohne sich für viele nicht. Eine verantwortungslose Kampagne: Tatsächlich gibt es kaum eine Vorsorgeform, die sich für die allermeisten Bürger, insbesondere Geringverdiener und Familien, so gut rechnet und gleichzeitig eine sichere lebenslange zusätzliche Versorgung bietet wie die Riester-Rente (vgl. dazu auch www.gdv.de/riester). Was eigentlich noch fehlt, ist eine Entschuldigung des DIW für diese Täuschung der Öffentlichkeit.

Ansprechpartnerin:
Katrin Rüter
Tel. 030/20 20-51 19
E-Mail: k.rueter@gdv.de

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