09.02.2012
Kreditversicherung

Wir liefern

Insgesamt haben die deutschen Kreditversicherer 2011 Geschäfte im Wert von rund 340 Milliarden Euro abgesichert. Auf die Kritik in der letzten Krise, sie würden ihren Deckungsschutz zu schnell zurückfahren, haben sie prompt reagiert.

Mehrere Hundert Mal griffen die Mitarbeiter von Euler Hermes am 11. März 2011 zum Telefonhörer, um ihre Kunden anzurufen. Die Radio- und Fernsehnachrichten hatten gerade über den verheerenden Tsunami vor der Küste Japans berichtet und darüber, dass die Welle auch ein Atomkraftwerk überschwemmte. Firmen, die nach Japan lieferten, mussten wissen, wie riskant Geschäfte mit japanischen Firmen nun waren und ob ihr4e japanischen Kunden auch weiter zahlen könnten.

Per Knopfdruck konnte das Hamburger Unternehmen sämtliche Risiken in Japan seinen Versicherungsnehmern zuordnen und sie zügig informieren. „In Japan haben wir so gut wie alle Deckungen aufrechterhalten können“, sagt Ralf Meurer, Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG und seit Dezember neuer Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im GDV. So können deutsche Unternehmen auch weiterhin Geschäfte mit Japan machen. „Denn auch wir haben natürlich ein Interesse daran, dass Geschäfte nicht platzen“, erklärt Meurer.

GDV Position
Kreditversicherer geben Deckungen heute verlässlicher über einen längeren Zeitraum. Dafür haben sie Warnfristen eingeführt, ihre Risikomodelle verbessert und auch den Austausch mit den Kunden intensiviert.

Kreditversicherer werden oft nur als eine Art Krisenversicherung wahrgenommen. Sie seien aber viel mehr, sagt Meurer. Kreditversicherer prüfen Risiken und Bonität der Geschäftspartner ihrer Kunden – und zwar kontinuierlich über die gesamte Dauer der Kundenbeziehung. „Letztendlich kaufen unsere Versicherungsnehmer eine transparente Information über die Bonität ihrer Kunden.“ So wüssten Unternehmen, wie stabil die finanzielle Lage ihrer Kunden oder einer Branche ist.

Das Rating von Firmen und ihrer Bonität ist eine heikle Angelegenheit. Aber Rating-Agenturen, die oft kritisiert werden, sind Kreditversicherer keinesfalls. Größter Unterschied: „Wenn wir uns irren, zahlen wir“, sagt Meurer. Und schließlich hätten die Versicherer in der Beurteilung von Zahlungsausfällen eine äußerst geringe Fehlerquote.

Trotzdem: Vor allem in den Jahren 2008 und 2009 – nach der Lehman-Pleite – mussten die Kreditversicherer oft einspringen. Auch bei der Hamburger Biesterfeld AG. Im Frühjahr 2008 verließen Lkws das Unternehmen mit dem Ziel Krefeld. Ihre Ladung: mehrere Tonnen Kunststoffgranulat im Wert von 84.000 Euro, aus dem die Krefelder Kunststoffteile pressen wollten. Bezahlt haben sie nicht. „Wir haben dann Klage eingereicht und erfahren, dass unser Kunde insolvent war“, sagt Wilfried Dannheiser, der für das Rechnungswesen bei der Biesterfeld AG zuständig ist. Nach dem Insolvenzverfahren und der Zahlung des Kreditversicherers bleibt das Hamburger Unternehmen mit 650 Mitarbeitern wohl auf weniger als 10.000 Euro sitzen. „So konnten wir unseren Verlust wesentlich reduzieren“, sagt Dannheiser.

Aber in ebenjenen Krisenjahren kamen die deutschen Kreditversicherer ins Gerede: Der Gesamtverband „Textil + Mode“ behauptete sogar, die Kreditversicherer drehten der Wirtschaft den Hahn ab und zerstörten systematisch bestehende Lieferketten. Tatsächlich seien viele Entscheidungen nicht gut kommuniziert worden, sagt Ralf Meurer. Mitunter haben die Kreditversicherer eine Deckung mit einem Fax gekündigt. „Ich war selbst auf Kundenveranstaltungen und habe die Verärgerung darüber mitbekommen.“

Die Kreditversicherer hätten sich gewandelt, so Meurer: Mittlerweile griffen sie öfter zum Hörer, um in direktem Kontakt die Lage zu besprechen. Außerdem können sich die Unternehmen auch jederzeit online über ihre Kunden informieren. Und die Branche hat sogar eine neue Art der Deckung eingeführt: Verschlechtert sich die Situation eines Risikos massiv und ist der Kreditversicherer gezwungen, die Deckung sofort aufzuheben, kann der Deckungsschutz bis zu 30 Tage aufrechterhalten werden, sofern der Kunde dies vertraglich vereinbart hat. Solche Vorwarnungen weiß auch Wilfried Dannheiser von der Biesterfeld AG zu schätzen: „In solchen Fällen stellen wir auf Vorauskasse um, oder wir verringern die Liefermengen, sodass nicht so viel auf einmal auf dem Spiel steht.“ Zahlreiche Unternehmen würden sich – ausgerüstet mit diesem Wissen – auch nach neuen Absatzmärkten umsehen, so Meurer.

Durch ihre Kontakte zu den Unternehmen können die fünf großen deutschen Kreditversicherer die wirtschaftliche Lage ganzer Branchen einschätzen. So hat allein Euler Hermes Daten von mehr als 40 Millionen Unternehmen. Und für deutsche Unternehmen seien Kreditversicherer oftmals wichtiger als Banken: „In absoluten Zahlen sind Lieferantenkredite schon immer höher als alle Bankkredite, die Banken deutschen Unternehmen zur Verfügung stellen“, sagt Meurer.

Marcel Roth ist Journalist in Berlin und Magdeburg.

Ansprechpartner: Katrin Rüter, Tel. 030/20 20-51 19, k.rueter@gdv.de