22.06.2009
Interview

„Wir stehen der Wirtschaft zur Seite“

Seit einigen Monaten bekommen die Kreditversicherer mächtig Gegenwind. Hauptkritikpunkt: Sie ziehen sich aus dem Geschäft zurück und lassen kapitalschwache Firmen somit im Stich. Dr. Peter Ingenlath, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Atradius Kreditversicherung AG, erklärt im Interview, warum die Vorwürfe nicht haltbar sind.

ZUR PERSON

PETER INGENLATH wurde am 18. Mai 1958 in Duisburg geboren. Nach dem Militärdienst studierte er Rechtswissenschaften an der Universität in Bonn und promovierte 1984 zum Dr. jur. 1990 trat er in den Gerling-Konzern ein und leitete verschiedene Abteilungen der Waren- und Ausfuhrkreditversicherungen, Bürgschaften und Garantien, Schaden und Recht. Im Jahr 2000 wurde er stellvertretendes Mitglied des Vorstandes der Gerling-Konzern Kreditversicherungs-AG, die im Jahr 2004 in Atradius Kreditversicherung AG umbenannt wurde. Im gleichen Jahr wurde Ingenlath zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden berufen. Seit 2004 ist er Chief Market und Chief Risk Officer der Atradius N.V.

Herr Ingenlath, eine deutsche Wirtschaftszeitung titelte vor Kurzem: „Private Kreditversicherer ziehen sich aus dem Geschäft mit kapitalschwachen Firmen zurück, die Regierung will einspringen.” Wie haben Sie auf diese Schlagzeile reagiert?

Unsere Branche versichert heute mehr Unternehmen als noch auf dem Höhepunkt der Konjunktur in den Jahren 2006 und 2007. Das Gesamtdeckungsvolumen, das die Kreditversicherer der deutschen Wirtschaft zur Absicherung von Handelsforderungen zur Verfügung stellen, ist trotz der Krise immer noch auf dem Niveau des Jahres 2007. Diese Zahlen belegen, dass die deutschen Kreditversicherer – entgegen den Aussagen einiger Branchenverbände oder auch mancher Zeitungsschlagzeile – der deutschen Wirtschaft mit unverändert hohem Deckungsvolumen zur Seite stehen.

Seit Oktober 2008 ist das inländische Deckungsvolumen aber um 25 Milliarden Euro zurückgegangen. Viele sehen in diesem Rückgang ein Anzeichen dafür, dass sich die Kreditversicherer aus dem Geschäft zurückziehen. Bitte konkret: Ziehen sich die Kreditversicherer nun tatsächlich zurück?

Die Kreditversicherer haben ihr Deckungsvolumen dem veränderten wirtschaftlichen Umfeld angepasst.

Lassen Sie sich mit dieser Antwort nicht ein Hintertürchen offen?

Nein, absolut nicht. Man muss sehen, dass sich in den letzten Monaten die Bonität vieler Unternehmen verschlechtert hat. Fast wichtiger ist aber, dass sich die Handelsvolumina deutlich verringert haben. Ein wesentlicher Teil dieses Rückgangs in den Deckungsvolumina erklärt sich dadurch, dass weniger gehandelt wird, deshalb weniger Handelsforderungen entstehen und folglich der Absicherungsbedarf zurückgeht.

Könnten Sie uns das an einem Beispiel veranschaulichen?

Ja. Wenn ein Automobilhersteller dreißig Prozent weniger Autos produziert und verkauft, braucht er auch dreißig Prozent weniger Lenkräder, dreißig Prozent weniger Auspuffrohre und dreißig Prozent weniger Bremsscheiben von seinen Zulieferern. Das bedeutet: Der Bedarf an Absicherung schrumpft.

Zurzeit wird kontrovers über das Thema Kreditversicherung debattiert. Könnten Sie uns daher einmal kurz und prägnant erklären, wie eine Kreditversicherung arbeitet?

Eine Kreditversicherung hat drei handelnde Akteure: den Versicherer, den Versicherungsnehmer und den Kunden des Versicherungsnehmers. Lassen Sie mich das an einem Beispiel illustrieren: Ein Stahlhändler hat 100 Kunden, die er regelmäßig beliefert und mit denen er vereinbart hat, dass Lieferungen erst 90 Tage nach Erhalt bezahlt werden müssen. Der Stahlhändler gewährt seinen Kunden also einen Kredit, genauer einen Warenkredit. Das ist in vielen Branchen üblich. Er geht das Risiko ein, dass sein Kunde vor Bezahlung der Ware insolvent wird und er damit den gelieferten Stahl nicht bezahlt bekommt. Und gegen dieses Risiko versichert die Kreditversicherung den Stahlunternehmer.

Aber nicht jedes Unternehmen bekommt eine Deckung.

Das ist richtig. Die Kreditversicherer prüfen ähnlich wie eine Bank die Bonität der 100 Kunden unseres Stahlhändlers. Ist deren Bonität ausreichend, bekommt der Stahlhändler Deckungsschutz für seine Kunden. Ist die Bonität einzelner Kunden unzureichend, übernehmen wir keinen Deckungsschutz und empfehlen dem Stahlhändler, nur gegen Vorkasse zu liefern oder Sicherheiten zu vereinbaren. Wir überwachen selbstverständlich die Bonität seiner Kunden und passen Limite an, wenn sich Verschlechterungen zeigen.

Und wenn der Schadensfall trotz positiv ausgefallener Analyse eintritt, leisten Sie.

Ja. Dann entschädigen wir unseren Versicherungsnehmer für den Zahlungsausfall – abzüglich eines Selbstbehaltes von im Schnitt 20 bis 25 Prozent.

Ändert sich die Arbeitsweise eines Kreditversicherers je nach Stand der Wirtschaftslage?

Die Arbeitsweise ändert sich im Grundsatz nicht. Wir prüfen und überwachen in guten wie in schlechten Wirtschaftszeiten die Kreditqualität der Endkunden in gleicher Weise. Unsere Arbeitsweise hat sich allerdings insofern geändert, als sich das wirtschaftliche Umfeld so schnell verändert hat, dass wir sehr viel mehr Aufwand betreiben müssen, zeitnahe Informationen zu bekommen. Die Taktfrequenz in der Informationsbeschaffung hat sich erhöht.

Stimmt es, dass im Moment immer mehr Firmen angesichts ihrer Kreditklemme eine Police abschließen wollen?

Es gibt zurzeit in der Tat eine stärkere Nachfrage, ja. Aber das ist ein allgemeines Phänomen: Wenn sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert, werden auch die Unternehmen risikobewusster und sehen, dass auf Debitoren – das sind die Handelsforderungen – ein großer Teil ihrer Bilanzsumme entfällt, die in Zeiten steigender Insolvenzen stärker bedroht ist als in den guten Zeiten.

Kann es sein, dass gerade in schwierigen Zeiten zwar immer mehr Anträge bei Ihnen als Kreditversicherern ankommen, aber dann die Prüfung ergibt, dass diese Firmen keine Policen erhalten können?

Jeder, der eine Kreditversicherung bei einem deutschen Kreditversicherer abschließen möchte, kann eine Kreditversicherung haben. Entgegen den Meldungen, die man in den vergangenen Monaten in der Presse lesen konnte, existiert kein genereller oder branchenspezifischer Stopp für Neugeschäft bei den Kreditversicherern.

Der Gesamtverband „Textil + Mode” behauptet aber: „Die Kreditversicherer drehen der Wirtschaft den Hahn ab und zerstören systematisch die bestehenden Lieferketten.” Was sagen Sie denn dazu?

Die deutschen Kreditversicherer decken per Ende März in diesem Jahr auf Unternehmen in der Textilbranche 8,2 Milliarden Euro. Am 31. Dezember 2007 waren es nur 7,7 Milliarden. Das heißt, wir decken heute mehr als noch während des Höhepunkts des Konjunkturaufschwungs Ende 2007.

Warum kommt es von Branchenverbänden dann zu den eben zitierten Aussagen?

Ich weiß es nicht genau. Aber vielleicht hat das etwas mit Feindbildprojektionen zu tun. Es gibt eben nicht nur Unternehmen und Branchen, die an sich zukunftsfähig sind und unverschuldet in den Strudel der Finanzmarktkrise geraten sind. Es gibt daneben einige Branchen mit teils langjährigen strukturellen Schwierigkeiten, die in guten Zeiten weniger sichtbar waren, aber nun in wirtschaftlich mieseren Zeiten offen zutage treten.

Viele wollen diese strukturellen Schwierigkeiten einfach nicht wahrhaben?

Ja. Schließlich ist es einfacher, die Verantwortung Banken oder Kreditversicherern zuzuschieben. Dass es im deutschen Textilbereich auf nahezu allen Wertschöpfungsstufen seit mehr als 20 Jahren strukturelle Probleme gibt, wird zum Beispiel in der Diskussion schlicht verschwiegen.

Wo liegt Ihrer Ansicht nach denn das Kernproblem der Krise – ist es tatsächlich der viel kolportierte stockende Geldfluss zwischen Finanz- und „Real“-Wirtschaft?

Zunächst einmal hat es schon immer konjunkturelle Aufschwung- und Abschwungphasen gegeben. Das, was wir heute erleben, ist nicht neu.

Nun wird aber die aktuelle Krise als die dramatischste und bedrohlichste empfunden. Was unterscheidet denn die jetzige Krise von den vorherigen?

Erstens: Es ist eine weltweite Krise. Zweitens: Gerade der Finanzbereich steckt in Schwierigkeiten. Aber man muss die Dinge auch in Perspektive setzen: In den letzten fünf bis sieben Jahren gab es praktisch unbegrenzte Liquidität zu sehr günstigen Preisen, die sogenannte Kreditblase. In dieser Zeit konnten riskante Unternehmenszusammenschlüsse und Investitionen praktisch problemlos finanziert werden. Das hat bei vielen Leuten den Blick für den Normalfall getrübt. Und wir bewegen uns heute eigentlich mehr in Richtung Normalität zurück, wo Liquidität nicht grenzenlos verfügbar ist und risikoadäquat bepreist wird.

War es denn aus Ihrer Sicht vorhersehbar, dass sich dieser Zustand wieder – wie Sie sagen – normalisieren würde?

Ja, definitiv.

In der Öffentlichkeit wird gern vor einem Dominoeffekt gewarnt: Ziehen sich die Kreditversicherer aus dem Geschäft zurück, droht einer nicht versicherten Firma beim Zahlungsausfall eines Geschäftspartners die Pleite. Ist das nun pure Hysterie in schweren wirtschaftlichen Zeiten?

Das Gegenteil ist der Fall. Gäbe es keine Kreditversicherung, würde die Insolvenz eines Unternehmens alle Lieferanten dieses Unternehmens in Schwierigkeiten bringen. Erinnern Sie sich zum Beispiel an die Holzmann-Insolvenz vor einigen Jahren, die viele mittelständische Lieferanten gefährdet hat. Das ist der Dominoeffekt. Die Kreditversicherung verhindert gerade diesen Effekt, denn sie zahlt, wenn der Endkunde nicht mehr zahlen kann. Sie hat zudem eine präventive Wirkung, da sie den versicherten Unternehmen anzeigt, mit welchen ihrer Kunden sie unter Einräumung von Zahlungszielen Geschäfte machen können und mit welchen besser nicht.

In Deutschland haben zurzeit etwa 40.000 Unternehmen Policen gegen Forderungsausfälle bei privaten Versicherern abgeschlossen. Aber bei einem Marktpotenzial von einigen hunderttausend Unternehmen ist das eigentlich nur ein geringer Anteil, oder?

Das ist richtig. Zum Leidwesen unserer Branche ist der Penetrationsgrad der Kreditversicherung im Markt noch relativ gering.

Bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass im Moment von mehreren Seiten ein vermeintliches Kreditversicherer-Problem aufgebauscht wird? Schließlich ist die Abdeckung des Marktes so gering, dass man wahrlich nicht sagen kann, die gesamte deutsche Wirtschaft hinge davon ab.

Das haben wir dem Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium auch zu bedenken gegeben. Aufgrund der geringen Durchdringung des Marktes durch Kreditversicherer ist das ein relativ schwacher Hebel, um Lieferströme stabilisieren oder gar wieder ankurbeln zu wollen.

Dabei ist der Schadenaufwand – also die Schadenzahlungen einschließlich der Rückstellungen – um 53,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Kreditversicherer leisten also. Wird Ihnen das eigentlich vom Bundeswirtschaftsministerium genügend gewürdigt?

Auch der gestiegene Schadenaufwand in unserer Branche ist eine der Informationen, die wir den Ministerien nicht vorenthalten haben. Der Anstieg erfolgte übrigens nicht nur von 2007 auf 2008, sondern noch sehr viel deutlicher im Vergleich der ersten Quartale 2008 und 2009. Das bedeutet, wir stabilisieren die Lieferanten in einem stärkeren Umfang als zuvor.

Trotzdem: Wenn man die Artikel in den deutschen Wirtschaftszeitungen dieses Jahres liest, hat man irgendwie das Gefühl, dass die Kreditversicherer die Rolle des Schwarzen Peters übernehmen sollen. Warum erhalten die Kreditversicherer zurzeit so viel Gegenwind?

Ich knüpfe gern noch mal an das an, was ich vorhin erwähnt habe. Ob nun in der Textil- oder Automobilbranche oder im Mineralölhandel: In vielen Branchen fehlt die Selbstkritik, eigene Fehler einzugestehen. Gerade in der Krise werden immanente strukturelle Schwächen und Unzulänglichkeiten transparent, die in guten Zeiten nicht sichtbar waren. Erst bei Ebbe sieht man eben, wer ohne Badehose schwimmt.

Nun heißt es aus Kreditversichererkreisen: InDeutschland hat sich die Zahl der Forderungsausfälle um mehr als 103 Prozent erhöht. Damit liege Deutschland beim Ausfallrisiko erstmals über dem weltweiten Durchschnitt. Können Sie uns erklären, warum es Deutschland härter zu treffen scheint als andere Wirtschaftsnationen?

Ich habe diese Zahlen auch gesehen, weiß jedoch nicht, wie verlässlich sie sind. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass Forderungsausfälle in Deutschland stärker gestiegen sind als zum Beispiel in Spanien, Irland, Großbritannien oder gar in den USA. Was sicherlich in Deutschland eine große Rolle spielt, ist die Exportabhängigkeit unserer Wirtschaft. Im Zuge der Globalisierung hat uns das beflügelt, nun hemmt es uns – gerade weil weltweit alle Wirtschaftsnationen einschließlich der aufstrebenden Entwicklungsländer in der Krise stecken und uns damit die Abnehmer fehlen.

Bald sollen die Kreditversicherer und der GDV in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium eine Arbeitsgruppe bilden, um die Modalitäten einer staatlichen Hilfe für Unternehmen aus der deutschen Wirtschaft vorzubereiten. Welche Erwartungen stellen Sie an die Arbeitsgruppe?

Zunächst einmal möchte ich deutlich machen, dass es sich hierbei nicht um Hilfen für die Kreditversicherer handelt, vergleichbar etwa der Hilfe für einige Banken. Das brauchen wir nicht. Es geht ausschließlich darum, wie Lieferungen an Unternehmen mit unzureichender Bonität in stärkerem Maße abgesichert werden können. Dazu haben wir den Bundesministerien schon im November des vergangenen Jahres signalisiert: Sollte es den politischen Willen geben, dass die privaten Kreditversicherer einen Beitrag leisten sollen, damit wir gemeinsam aus dieser Krise herauskommen, wollen wir helfen.

Aber was erwarten Sie sich von dieser Arbeitsgruppe?

Aus unserer Sicht ist es natürlich wichtig, dass kein Schadenrisiko für die privaten Kreditversicherer entsteht. Das Risiko wird vom Bund zu tragen sein. Nehmen wir noch einmal mein Beispiel des Stahlhändlers. Die Abnehmer des Stahlhändlers, die eine vernünftige Kreditqualität haben, werden unverändert von uns versichert – das bestätigen die insgesamt 280 Milliarden an Deckungsvolumen zurzeit.

Was will die Bundesregierung dann von Ihnen und den anderen Kreditversicherern?

Die Bundesregierung möchte auch jenen Unternehmen, die eine unzureichende Bonität aufweisen, eine Absicherung ermöglichen. Aber das kann nur so funktionieren, dass der Staat dieses Risiko vollständig übernimmt. Wir als Kreditversicherer werden in eine Lösung unsere Infrastruktur und unser Know-how einbringen, wir können aber nicht unser Eigenkapital zur Verfügung stellen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenbergs Staatssekretär, Hartmut Schauerte, kritisierte unlängst: „Wenn kapitalschwache Unternehmen ein Problem haben, Kreditversicherungen abzuschließen, wirkt sich das negativ auf die Kreditvergabe bei den Banken aus.” Was halten Sie von dieser Analogie?

Diesen Zusammenhang erkenne ich nicht. Ich denke, dass deutsche Banken selbstbewusst genug sind, ihre Kreditvergabe und ihre Krediteinschätzung eigenständig vorzunehmen. Sie sind sicher nicht auf das Urteil eines Kreditversicherers angewiesen. Das heißt, Banken treffen ihre Kreditentscheidung und wir treffen unsere.

Aber Sie werden zugeben: Das Selbstbewusstsein der Banken hat in letzter Zeit stark gelitten.

Das mag sein, das will ich hier nicht beurteilen. Man muss auch sehen, dass nicht das traditionelle Bankenkreditgeschäft die Krise ausgelöst hat.

FDP-Politiker Rainer Brüderle sagt: „Falls die Bundesregierung als eine Art Kreditversicherer auftritt, setzt sie auf staatswirtschaftliche Lösungen, statt mehr Wettbewerb zu fördern.” Teilen Sie diese Auffassung?

Wir befinden uns gesamtwirtschaftlich sicher in einer Ausnahmesituation. Und außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Ich sehe also keinen Systembruch, wenn Kreditversicherer temporär dem Bund und der Wirtschaft ihre Infrastruktur und ihr Know-how zur Verfügung stellen. Wir begrüßen es auch sehr, dass es zu keiner Zeit die Idee der Schaffung eines staatlichen Kreditversicherers gegeben hat. Das wäre sicherlich die von Herrn Brüderle angesprochene staatswirtschaftliche Lösung.

Das versicherte Deckungsvolumen betrug im Bereich Delkredereversicherungen im Inland im Jahr 2006 etwa 233 Milliarden Euro, 2007 kletterte der Betrag auf 268 Milliarden und 2008 auf rund 286 Milliarden Euro. Der Trend zeigte also klar nach oben. Jetzt zeigt er nach unten. Wann, glauben Sie, wird dieser Abwärtstrend gestoppt werden können?

Sie meinen, wann die Wirtschaft wieder Tritt fassen wird?

Ja.

Die große Diskussion dreht sich im Moment um Buchstaben.

Um Buchstaben?

Ja. Ist diese Krise U-förmig, hat sie also ein breites Tal? Möglich. Ist sie vielleicht L-förmig, also lange anhaltend? Das hoffen wir natürlich nicht. Oder ist diese Krise eventuell V-förmig? Das wäre zugegebenermaßen am schönsten. Ich glaube, diese Fragen kann heute einfach niemand zuverlässig beantworten.

Und was sagen Sie als Experte und Kreditversicherer?

Als Kreditversicherer kann ich leider nur sagen: Wir sehen noch kein Licht am Ende des Tunnels.

Das Tal liegt also noch vor uns. Klingt nicht gerade hoffnungsvoll.

Glauben Sie mir, ich würde Ihnen gern etwas anderes antworten. Aber wenn ich die Situation überblicke, das Zahlungsverhalten der Unternehmen analysiere und die Insolvenzentwicklung betrachte, sehe ich noch keine Bodenbildung.

Herr Ingenlath, letzte Frage: Das Wirtschaftsministerium führt zurzeit ein 37-jähriger Jurist, Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg. Er ist der Shootingstar der Politik in den letzten Wochen. Zu Recht?

Ja. Das, was Herr zu Guttenberg bisher gemacht hat, war beeindruckend. Aber Stichwort Opel, Stichwort Arcandor: Ich denke, er steht vor Bewährungsproben, die sich keinem Bundeswirtschaftsminister in den vergangenen zwanzig Jahren gestellt haben.

Interview: Alexandros Stefanidis