12.05.2009
Gegenpositionen

Außer Spesen nichts gewesen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband behauptet: Die Geldvermögen der privaten Haushalte verlieren wegen falscher Finanzvermittlung an Wert, statt an Wert zu gewinnen. Das hört sich schlimm an, entspricht aber nicht den Tatsachen.

Mitte Dezember vergangenen Jahres: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert umfassende Änderungen im Bereich der Finanzvermittlung. Insbesondere fordert er eine stärkere Rolle für die Verbraucherzentralen, die sich mit kostenpflichtigen Beratungsangeboten auf dem Markt für Honorarberater beteiligen. Weil dieser Markt nicht so recht in Schwung kommt, fordert der vzbv auch, dass die Finanzdienstleistungswirtschaft die anbieterunabhängige Beratung der Verbraucherzentralen mittels eines millionenschweren Sonderfonds subventioniert.

Gestützt werden die Forderungen auf eine vzbv-Studie, die mit- hilfe der Geldvermögensstatistik der Bundesbank der Finanzdienstleistungsindustrie ein schlechtes Zeugnis ausstellt: Die Geldvermögen der privaten Haushalte hätten in der Zeit von 1997 bis 2007 – also noch vor der Finanzkrise – nur eine Rendite von 0,8 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Nach Abzug von 2 Prozent Inflation verbleibe ein reales Minus von 1,2 Prozent. Also: Außer Spesen nichts gewesen? Wenn das tatsächlich stimmt, dann liegt in der Tat viel im Argen bei der Qualität der Vermittlung von Finanzprodukten, so muss der Betrachter denken. Und so informiert der vzbv auch den Verbraucherschutzausschuss des Deutschen Bundestages in einer Stellungnahme über diese Erkenntnisse. Zugleich wird darin eine Stärkung der anbieterunabhängigen Beratung und damit auch der Verbraucherzentralen gefordert.

Aber: Können die berechneten Zahlen richtig sein, obwohl der Großteil der privaten Haushalte bekanntermaßen sein Geld konservativ anlegt? Über 40 Prozent des Geldvermögens steckten sie 2007 in verzinsliche Anlagen, weitere 26 Prozent in Versicherungen. Lediglich 9 Prozent ihres Geldvermögens investierten die Deutschen spekulativ in Aktien, weitere 12 Prozent in Investmentfonds. Professor Mathias Moersch von der Hochschule Heilbronn hat auf Bitten des GDV die Studie durchgesehen und das Ergebnis nachgerechnet. Sein für Ökonomen wenig überraschendes Fazit: Die Erkenntnis, dass das Geldvermögen 1997 bis 2007 eine negative Realrendite erbracht habe, beruht auf einem einfachen methodischen Fehler. Der vzbv hatte nur die Kursgewinne, also die Marktwertänderungen im Geldvermögen, berücksichtigt, nicht aber Zinszahlungen, Dividenden und Erträge aus Versicherungen. Da Kursgewinne nur bei Aktien und Investmentfonds anfallen, wurde die Rentabilität des Geldvermögens massiv unterschätzt. Professor Moersch schätzte überschlägig die wirkliche Rendite mit allen Ertragsquellen und kam auf deutlich mehr als 4 Prozent. Die Realrendite läge demnach auf einem ähnlichen Niveau wie auch in den Jahrzehnten zuvor.

Die Behauptung, die privaten Haushalte hätten von 1997 bis 2007 nur negative Renditen erwirtschaftet, ist demnach falsch. Sicher wurde die Zahl vom vzbv nicht absichtlich fehlerhaft aufgestellt und veröffentlicht. Es irritiert aber, dass die Studie selbst zwar mittlerweile bereinigt wurde, die zentrale Behauptung der Negativrenditen aber auf der vzbv-Website in Pressemeldungen immer noch verbreitet wird. Auch die vzbv-Stellungnahme zur Bundestagsanhörung, die die unzutreffende These enthält, wurde nicht korrigiert. Im Hinblick auf die Forderung nach einer Stärkung der anbieterunabhängigen Beratung drängen sich da Fragen auf: Wie viel Vertrauen verdient die Beratungskompetenz der Verbraucherzentralen in Finanzthemen, wenn wichtige Studien aufgrund einfacher methodischer Fehler zu falschen Ergebnissen kommen? Warum werden diese Ergebnisse ohne wissenschaftliche Qualitätssicherung veröffentlicht und in den politischen Diskurs eingebracht? Sind anbieterunabhängige Verbraucherzentralen wirklich per se besser als andere Finanzberater? Schließlich hat die Verbraucherzentrale Hamburg noch im Juli 2008 Ratsuchenden Konten bei der Kaupthing Bank empfohlen, wie Kunden der Verbraucherzentrale öffentlich beklagt haben. Verbraucher sind auch bei Verbraucherzentralen nicht in jedem Fall vor Fehlberatung gefeit.

Ansprechpartner: Holger Schmitt, Tel. 030/20 20-51 15, E-Mail: h.schmitt@gdv.de