25.03.2009
GDV-Pressekolloquium 2009

Pressestatement von Jörg von Fürstenwerth zur Branchenentwicklung 2008

Dr. Jörg von Fürstenwerth ist Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied

Meine Damen und Herren,

als im Frühjahr 2007 erste Berichte über die riskanten Geschäftsmodelle der US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac publik wurden, ahnte noch niemand so wirklich, dass wir uns bereits mitten in einer Kette von Ereignissen befinden, die zu der weltweit schwersten Wirtschaftskrise führen würde, die wir – nach Einschätzung von Ökonomen – seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts derzeit erleben.

Die Weltwirtschaft befindet sich in einem massiven Abschwung. Auch für die deutsche Wirtschaft wird für das Jahr 2009 mit einem deutlichen Schrumpfen gerechnet. Das momentane Prognosespektrum liegt dabei jenseits von minus 2 Prozent und reicht bis minus 7 Prozent. An diesem Wettlauf der Prognosen nach unten wollen wir uns jedoch nicht beteiligen.

Vielleicht noch gravierender ist der Vertrauensverlust, den die Finanzmarktkrise verursacht hat. Die Herausforderungen, global ein stabileres Finanzsystem zu errichten und zugleich einen Kollaps der Bankensysteme zu verhindern, sind immens. Die Diskussionen etwa um die Verstaatlichung der Anteile an der Hypo Real Estate Group zeigen, dass es dabei um weit mehr geht als „nur“ um Krisenbekämpfung. Es geht auch darum, ob sich unser politisches System bewährt. Dabei sind wir der Meinung, dass bei allen unterschiedlichen Auffassungen im Detail Regierung und Parlament bislang alles Mögliche und Vertretbare zum rechten Zeitpunkt getan haben, um die Krise erfolgreich zu bewältigen.

Wo stehen die deutschen Versicherer in dieser weltweiten Krise?

Die deutschen Versicherer übernehmen die Risikoabsicherung für ihre Versicherten und Vertragspartner und sind damit Teil des Wirtschaftssystems. Gibt es einen Einbruch im Export, so wirkt sich dieser natürlich auch auf die Transportversicherungsprämien aus. Sind etwa im gewerblichen Bereich weniger Fahrzeuge zugelassen, so verkleinert sich der Kraftfahrzeugversicherungsmarkt. Und haben Privatpersonen weniger Vertrauen in die Zukunft, so sind sie zurückhaltender beim Abschluss langfristiger Altersvorsorgeverträge.

Und natürlich gehören die deutschen Versicherer zu den größten Anlegern am Kapitalmarkt. Gegenwärtig halten die deutschen Versicherungen Kapitalanlagen in Höhe von etwa 1.200 Mrd. Euro. Das entspricht etwa vier Mal der Höhe des Bundeshaushaltes oder mehr als die Bilanzsumme aller deutschen Sparkassen zusammen. Rund 66 Prozent unserer Anlagen stellen wir dem Kapitalmarkt über Kreditinstitute zur Verfügung, also etwa 700 Mrd. Euro. Davon rund Zweidrittel in Pfandbriefen (rund 400 Mrd. Euro).

Vor dem Hintergrund, dass wir einen Großteil unserer Mittel über Kreditinstitute dem Kapitalmarkt zur Verfügung stellen, profitieren wir natürlich indirekt auch von den Stabilisierungsmaßnahmen im Bankenbereich. Von einem Zusammenbruch des Bankenmarktes wären wir nachhaltig betroffen gewesen. Die Politik der Bundesregierung, dass nach den Erfahrungen aus dem Kollaps von Lehmann Brothers keine systemisch wichtige Bank in die Insolvenz abgleiten darf, trägt damit auch zur Stabilität der Anlagen der Versicherungswirtschaft nachhaltig bei. Das gilt ebenso für die Erklärung der Bundesregierung, notfalls Maßnahmen zur Stabilisierung des Pfandbriefs zu ergreifen.

Dessen ungeachtet war das Jahr 2008 natürlich auch für die Versicherungswirtschaft ein schwieriges Jahr an den Kapitalmärkten. Und es ist zu erwarten, dass sich die Finanzmarktkrise und Rezession auch auf die Jahresergebnisse der Versicherer auswirken werden. Alles andere wäre in diesen Zeiten unrealistisch.

Die Versicherungswirtschaft ist von der weltwirtschaftlichen Entwicklung also keinesfalls abgekoppelt – und sie fühlt sich auch nicht so. Ich betone dies, weil wir gelegentlich so verstanden werden, als würden wir diesen Eindruck erwecken wollen. Wir wissen sehr wohl, dass dies nicht der Fall ist.

Gleichwohl bleiben wir aber auch bei unserer Einschätzung, dass die Versicherungswirtschaft nach wie vor ein stabiles Element in der Krise ist und nach unserer – keineswegs von Zweckoptimismus getriebenen – Einschätzung auch bleiben wird. Die Finanzkrise ist keine Versicherungskrise. Und dies hat Gründe.

Dass sich die Versicherungen in Deutschland als stabilisierender Faktor in der Krise erwiesen haben, ist ganz wesentlich durch das Geschäftsmodell und das Aufsichtsrecht begründet.

Die deutschen Versicherer unterliegen bei ihrer Kapitalanlage strengen gesetzlichen Vorschriften. Aus diesem Grund sind sie konservativ investiert. Das wurde in den Jahren zwischen den beiden Finanzkrisen dieses Jahrtausends oft und gerne als langweilig, als nicht „sexy“ moniert. Fakt ist aber, dass die deutschen Versicherer jetzt in ungleich geringerem Maße von der Finanzkrise betroffen sind als Banken. Auch im weltweiten Vergleich zu Versicherern in anderen Märkten haben sich die deutschen Versicherer gut geschlagen.

Unsere Einschätzung auf dem Pressekolloquium vor einem Jahr, dass Versicherungen von der Finanzmarktkrise nicht unmittelbar betroffen sind, weil sie die für die Krise ursächlichen Produkte nicht gekauft haben, hat sich als richtig herausgestellt. Versicherungen dürfen in Deutschland keine Bankgeschäfte betreiben. Auch dürfen sie keine mit Kreditforderungen besicherten Wertpapiere versichern. Geschäfte, wie sie amerikanische oder schweizerische Versicherungsunternehmen vorgenommen haben, sind in Deutschland untersagt.

Schließlich haben Versicherungen, auch dadurch unterscheiden sie sich von Banken, keine Refinanzierungsprobleme, sondern können eine verlässliche Liquiditätsplanung vornehmen. Die Geldströme zwischen Banken und Versicherungen unterscheiden sich grundsätzlich: Versicherungen sind Kapitalsammelstellen, während sich viele Banken stetig am Kapitalmarkt refinanzieren müssen.

Zu Beginn der jetzigen Finanzmarktkrise lag die durchschnittliche Aktienquote in der Branche bei nur rund 9 Prozent dies nicht zuletzt wegen des nach der letzten Finanzkrise der Jahre 2002/2003 deutlich ausgebauten aktiven Risikomanagements der Unternehmen. Wir haben unsere Lektionen aus der Kapitalmarktkrise 2002/2003 gelernt, und vor allem die Risikotragfähigkeit nachhaltig verbessert. Das Aktienengagement bei Lebensversicherungen wurde bereits früh auf aktuell durchschnittlich 4,8 Prozent brutto, d. h. ohne Berücksichtigung von Absicherungsmaßnahmen, abgesenkt. Unter Berücksichtigung der Absicherungsmaßnahmen beträgt die Aktienquote (netto) lediglich 2,7 Prozent.

Dennoch mussten natürlich auch Versicherungsunternehmen Abschreibungen auf den verbliebenen Aktienbestand vornehmen. Der Aktienmarkt ist alleine im Jahr 2008 um mehr als 40 Prozent gefallen. Gleichzeitig entstehen dabei auch Reserven im Bereich der Absicherungsinstrumente. Auch die Zinsentwicklung insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2008 trug dazu bei, dass die deutschen Versicherer per Saldo Bewertungsreserven aufweisen. Aktuell verfügen Erstversicherungen (Leben, Schaden/Unfall, Kranken) über Bewertungsreserven in Höhe von 3,6 Prozent ihrer Kapitalanlagen.

Die aktuelle Zinsentwicklung stellt die Versicherungen, ebenso wie andere Anbieter von Vorsorgeleistungen, vor Herausforderungen. Dennoch sehen wir aktuell kein Problem, dass die Lebensversicherer den durchschnittlichen Rechnungszins von derzeit rund 3,5 Prozent darstellen. Herr Dr. Zimmerer wird diesen Aspekt gleich näher beleuchten.

Zu Missverständnissen – so war einzelnen Medienberichten zu entnehmen – hat offensichtlich die Anwendung von Bilanzierungsregeln im Versicherungsbereich geführt. Deshalb möchte ich dazu einige Punkte ansprechen und klarstellen: Die Bilanzierungsregeln für Versicherungen nach § 341 b HGB sind unverändert geblieben. Versicherungen können danach Kapitalanlagen nach dem sogenannten gemilderten Niederstwertprinzip ansetzen und müssen keine Abschreibungen vornehmen, solange keine dauerhafte Wertminderung vorliegt. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Kapitalanlagen im Anlagevermögen befinden, und die Versicherung die Bereitschaft und die Fähigkeit besitzt, die Kapitalanlagen bis zur Fälligkeit zu halten.

Die bilanziellen Bestimmungen sehen dann vor, dass eine Aktie nicht notwendigerweise mit dem Börsenkurs zum Bilanzstichtag angesetzt werden muss. Zulässig ist auch ein dauerhaft höherer, beizulegender Wert, sofern dieser beispielsweise durch Analystenschätzungen plausibel belegt werden kann. Die BaFin hatte allerdings bereits in der Vergangenheit eine Toleranzgrenze von 10 Prozent über dem Kurswert gesetzt, von der an sie die Bilanzansätze kritisch hinterfragt. Diese Toleranzgrenze wurde angesichts der erheblich ausgeweiteten Volatilität an den Finanzmärkten auf 20 Prozent erhöht. Dies vor dem Hintergrund, dass sich die Börsenkurse – geprägt von den Unsicherheiten – doch zum Teil erheblich von den realen Unternehmenswerten entfernt haben. Wie in der Vergangenheit kann davon ausgegangen werden, dass sowohl die Aufsicht als auch die Wirtschaftsprüfer die Bilanzansätze einer eingehenden Prüfung unterziehen. Die Vermutung in einigen Medienberichten, Versicherern würden mit der Bilanzierungsregel des § 341b HGB erhebliche Gestaltungsspielräume offen stehen, trifft einfach nicht zu. Zumal bei einer Nettoaktienquote von jetzt rund 2,7 Prozent auch das Gestaltungsvolumen begrenzt wäre.

Soweit meine Antwort auf die Frage, wo die deutschen Versicherer in dieser Krise stehen. Dr. Zimmerer wird dies aus Sicht der Lebensversicherer gleich noch vertiefen vor allem aber haben wir heute Nachmittag einen ganzen Arbeitskreis diesem Thema gewidmet. Bevor ich auf die Marktentwicklung in 2008 und die Perspektive für 2009 eingehe, noch einen Blick auf verschiedene Regulierungsvorhaben:

Neue Regulierung

Auf allen staatlichen und überstaatlichen Ebenen wird an der globalen Neuausrichtung des Finanzsystems mit Hochdruck gearbeitet. Natürlich auch auf europäischer und deutscher Ebene. Uns als Versicherungswirtschaft hat die bestehende Regulierung durch das Versicherungsaufsichtsrecht bislang erfolgreich durch die Krise geführt. Der bisherige Regulierungsrahmen hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Versicherungswirtschaft in Deutschland als stabil in der Krise erweist. Ich denke etwa an das Verbot, mit Kreditforderungen besicherte Wertpapiere zu versichern oder an das Verbot für Versicherungen, Bankgeschäfte zu betreiben. Nach zwei Jahrzehnten Deregulierung nach amerikanisch-angelsächsischem Vorbild stehen nun wieder Werte wie Sicherheit, Zuverlässigkeit und Solidität im Vordergrund. Der Deregulierungswelle folgt die Regulierungswelle.

Regulierung ist ebenso wenig wie Deregulierung per se gut oder schlecht. Doch gilt es zu verhindern, dass das Pendel auch bei der Schaffung des neuen Ordnungsrahmens für die globalen Finanzmärkte nun in das andere Extrem ausschlägt. Da die Finanzmarktkrise in erster Linie eine Bankenkrise ist, sollten Eingriffe in das Versicherungsaufsichtsrecht wohlüberlegt sein. Auch die BaFin hat jüngst erneut betont, dass die Finanzmarktkrise keine Krise der Versicherungen ist. Wir erwarten daher von der Bundesregierung eine entsprechende Differenzierung zwischen dem Banken- und dem Versicherungsbereich. Eingriffe sollten auch hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen genau abgeschätzt werden. Und: Auch in der Krise sollte man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

Ein Beispiel für Regulierung ohne Folgenabschätzung sind Teile des „Gesetzes zur Stärkung der Finanzmarkt- und der Versicherungsaufsicht“, das das Finanzministerium letzte Woche vorgelegt hat. Das Gesetz soll der BaFin das Recht einräumen, von Kreditinstituten zu verlangen, vertraglich eingeräumte Nachrangfinanzierungen unter bestimmten Voraussetzungen auch außerhalb einer Insolvenz nicht bedienen zu müssen. Statt den Bankensektor zu stabilisieren, würde dies zu einer deutlichen Verschlechterung der Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken führen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass sich unter solchen Umständen Versicherer weiterhin mit einem Anteil von 2,5 Prozent ihrer Kapitalanlagen in solchen Hybridprodukten engagieren würden, müssten sie doch damit rechnen, dass durch einseitigen Eingriff der BaFin in klare vertragliche Regelungen die Verzinsung des Investments entfallen würde.

Weiterhin will die Bundesregierung als Reaktion auf die Finanzmarktkrise die Eingriffsmöglichkeiten der BaFin bei Banken und Versicherungen erweitern. Unter anderem sollen fachliche Anforderungen an Mitglieder der Kontrollgremien von Banken und Versicherungen gestellt werden. Die Aufsicht soll das Recht erhalten, Mitglieder von Kontrollgremien abzuberufen, wenn diese fachlich ungeeignet oder unzuverlässig sind. Soweit so gut. Grundsätzlich wird man dagegen nichts einwenden können. Natürlich muss der Aufsichtsrat in der Lage sein, seine Aufgaben wahrzunehmen. Nur: Nach der Begründung unterstellt die Aufsicht künftig für die Versicherungsbranche nur dann eine fachliche Eignung, wenn die Person selbst Geschäftsleiter einer Versicherung gewesen ist oder in ausreichendem Maße über Fachkenntnisse in Versicherungsgeschäften verfügt.
Um vorab klarzustellen: Wir sind für qualitativ hohe Anforderungen an Mitglieder der Kontrollgremien. Nur so können diese ihre Funktion erfüllen. Wir fragen jedoch, ob eine Beschränkung auf „Geschäftsleiter“ nicht tatsächlich sogar neue Risiken fördert, da gerade kein unabhängiger Blick von außen auf das Unternehmen erfolgt.

Mit Umsetzung dieser Vorschriften wäre eine Unternehmenskontrolle in der bisherigen Form nicht mehr möglich. Die BaFin könnte eine Zusammensetzung der Aufsichtsräte mit Unternehmensvertretern anderer Branchen, Wissenschaftlern und Gewerkschaftlern aufgrund der fehlenden Eignung im Sinne des VAG nicht akzeptieren. Wichtiger Input und Expertise aus anderen Branchen würden dann in der Unternehmenskontrolle fehlen. Anteilseignern würde sie die legitime Möglichkeit nehmen, ihre Interessen als Eigentümer zu vertreten. Darüber hinaus würde es auch gar nicht genug Personen mit entsprechendem Anforderungsprofil geben, um die Kontrollgremien in den Versicherungsunternehmen zu besetzen.

Solvency II

Die Finanzmarktkrise hat – wie erwähnt – auch auf internationaler Ebene eine Vielzahl von Reformvorschlägen hervorgebracht, die sich um die Themen Risikomanagement, Aufsicht, Transparenz und Produktregulierung drehen. Für die Versicherungen ist dabei ein Punkt von besonderer Bedeutung: Die Verabschiedung von Solvency II noch vor den Europawahlen. Sie haben diese Forderung schon oft von uns gehört. Für uns bleibt eine zügige Verabschiedung von Solvency II alternativlos, weil sie ein wichtiger Schritt zu einer effektiven weltweiten Beaufsichtigung der Risiken an den Finanzmärkten ist. Allerdings steht die Realisierung dieser Forderung in diesen Tagen am Scheideweg. Die Verhandlungen sind jetzt in ihrer entscheidenden Phase und bringen hoffentlich den Durchbruch. Nationale Egoismen und ein bislang wenig kompromissgeneigter Europäischer Rat dürfen eine Einigung nicht verhindern.

Während viele regulatorische Maßnahmen als Reaktion auf die Finanzmarktkrise insbesondere im Bankensektor erst noch entwickelt werden müssen, liegt mit Solvency II eine Richtlinie vor, für die in weiten Teilen bereits stabile Kompromisse gefunden worden sind. Mit Solvency II würde ein wegweisendes europäisches Aufsichtsrecht für Versicherer verabschiedet, das die Finanzmarkstabilität erhöhen und das Risikomanagement verbessern würde. Die EU sollte die Chance nicht vergeben, schon heute eine internationale Vorreiterrolle bei der Gruppenaufsicht einzunehmen, die die Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden qualitativ verbessern und die Früherkennung von Krisen erleichtern würde.

Solvency II bietet für die europäischen Staats- und Regierungschefs deshalb eine ausgezeichnete Gelegenheit, den Absichtserklärungen diverser Gipfel in den vergangenen Monaten nun endlich Taten folgen zu lassen und international eine Vorreiterrolle einzunehmen. Vor dem Hintergrund der heute stattfindenden Verhandlungen in Brüssel hoffen wir deshalb doch noch auf eine Einigung zwischen den EU-Staaten, Kommission und EU-Parlament.

Verbraucherschutz in der Finanzberatung.

Die im Rahmen der Finanzkrise bekannt gewordenen Fälle von Kunden, die ihr Geld sicher angelegt glaubten, dann aber infolge der Insolvenzen in den vergangenen Monaten – wie zum Beispiel im Fall Lehmann-Bank – einen Totalverlust erlitten haben, führten sehr rasch zu Aktivitäten des Verbraucherschutzministeriums mit dem Ziel, eine Qualitätsoffensive in der Finanzberatung zu starten.

In der Versicherungswirtschaft ist hier in den letzten Jahren eine Menge erreicht worden. Wenige Stichworte mögen genügen: Mindestqualifikation der Vermittler, Registrierung, Vermögensschadenhaftpflicht, Offenlegung der Kosten, Produktinformationsblatt, Beratungsdokumentation. Dies alles begleitet durch ein modernes Versicherungsvertragsrecht. Dass diese Standards nicht im gesamten Bereich der Finanzdienstleistungen galten, war – wie die Finanzkrise gezeigt hat – ein Fehler.

In der Diskussion steht auch die Frage, ob die Provisionsvergütung zu Fehlberatungen verleitet. Wir haben hier eine klare Position: Unsere heutigen Vergütungssysteme des Versicherungsaußendienstes stehen nicht im Widerspruch zu einer gleichzeitig guten Beratung. Denn eine nachhaltige und dauerhafte Kundenbeziehung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Versicherungsvermittlung. Deshalb kann ein Vermittler sein Einkommen langfristig nur sichern, wenn möglichst wenige seiner Kunden ihre Verträge kündigen.

Wir sind von unseren Vergütungssystemen überzeugt. Gleichwohl, das möchte ich betonen, ist unsere Branche für alle Beratungs- und Vertriebswege offen – auch für die Honorarberatung. Diese kann für gut verdienende und gewerbliche Kunden, die viele und lukrative Versicherungsverträge abschließen, finanzielle Vorteile bieten. An der Lebensrealität der breiten Bevölkerung geht die Honorarberatung aber vorbei. Die meisten Menschen müssen auch in Zukunft für ihren wesentlichen Versicherungs- und Vorsorgebedarf erst einmal sensibilisiert werden, da sie ansonsten Gefahr laufen, Risiken nicht zu versichern. Es ist vollkommen unrealistisch, dass die breite Bevölkerung künftig aktiv einen Honorarberater aufsuchen wird, um sich gegen ein Honorar von rund 150 Euro pro Stunde den individuellen Vorsorgebedarf fürs Alter ermitteln oder die Absicherungsmöglichkeiten gegen Berufsunfähigkeit aufzeigen zu lassen.

Letztlich wird der Erfolg am Markt zeigen, welche Vergütungssysteme sich für welche Kundensegmente am besten eignen. Mit Blick auf die Absicherung der existenziellen Risiken Tod und Alter sind wir jedoch der Überzeugung, dass die Provisionsvergütung auch in Zukunft das erfolgreiche Modell für Privatkunden bleiben wird. Erfolgreich für alle Seiten: Die heutige Verbreitung der Riester-Rente wäre ohne den Versicherungsvertrieb, der auf Provisionsbasis arbeitet, nicht erreicht worden. Zusätzliche Altersvorsorge durch die Riester- und Rürup-Rente sowie jede private Rentenversicherung hat eine zentrale sozialpolitische Aufgabe – die jedoch ins Leere läuft, wenn die Menschen nicht aktiv auf ihre Versorgungslücken angesprochen und motiviert werden, diese Produkte auch tatsächlich abzuschließen. Diese Aufgabe übernimmt heute ganz wesentlich mit durchgängig guter Qualifizierung der Versicherungsvertrieb. Das muss auch berücksichtigt werden, wenn über Finanzberatung, Vergütungssysteme und die zu berücksichtigenden Verbraucherinteressen diskutiert wird.

Damit möchte ich das Thema Finanzmarktkrise in seinen verschiedenen Facetten an dieser Stelle beschließen und zum Geschäftsverlauf der Versicherungswirtschaft in 2008 sowie dem Ausblick auf 2009 kommen. Doch zugegeben: Wie alles in dieser Zeit, sind auch diese Berichte und Ausblicke natürlich von der Wirtschaftskrise tangiert.

Geschäftsverlauf der Versicherungswirtschaft 2008

Zunächst nur ein kurzer, prägnanter Überblick zur Gesamteinordnung der Entwicklung:

2008 – ich hatte dies bereits ausgeführt – war gesamtwirtschaftlich ein schwieriges Jahr. Im 4. Quartal ist die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland sogar deutlich rückläufig gewesen. In vielen Branchen werden erhebliche Einbrüche verzeichnet. In der Versicherungswirtschaft haben die Beitragseinnahmen 2008 dagegen leicht um 1 Prozent zugelegt. Unsere Gesamtbeitragseinnahmen 2008 betrugen 164,5 Mrd. Euro.

Davon hat der Lebensversicherungsmarkt mit 79,6 Mrd. Euro wieder den Löwenanteil beigesteuert. Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds wuchsen damit um 0,8 Prozent. Die Lebensversicherer alleine verzeichneten ein Wachstum von 1,1 Prozent auf 76,3 Mrd. Euro.

Die private Krankenversicherung schaffte trotz politisch widrigster Rahmenbedingungen 2008 ein leichtes Bestandswachstum und verzeichnete ein Beitragswachstum von 2,9 Prozent.

Die Schaden-/Unfallversicherer haben in 2008 mit einer Stabilisierung der Beitragseinnahmen in Höhe von plus 0,2 Prozent abgeschlossen. Positiv entwickelt haben sich die Sachversicherungssparten mit einem Beitragswachstum von plus 3,3 Prozent. Bei der Kraftfahrtversicherung ergab sich dagegen ein Minus von 2 Prozent zum Vorjahr.

Ausschlaggebend für das gegenüber 2007 wieder etwas stärkere Wachstum der Branche insgesamt war vor allem die Stützung der Beitragsentwicklung in der Lebensversicherung durch das Inkrafttreten der letzten Stufe der Riester-Förderung, aber auch das wieder leicht positive Beitragswachstum in der Schaden- und Unfallversicherung. Umgekehrt war der Umsatz in der Versicherungswirtschaft aber auch angesichts der Banken- und Finanzkrise robust, zumal für die Wachstumsverlangsamung der letzten Jahre auch andere Faktoren ursächlich sind: zum Beispiel eine hohe Marktdurchdringung, die Intensivierung des Wettbewerbs, politische Reformen, hohe Abläufe oder auch die wirtschaftliche Lage der privaten Haushalte, die sich in den letzten Jahren sehr verhalten entwickelt hat.

Marktausblick 2009

Wie wird es 2009 aussehen? Vieles hängt von Faktoren ab, die von uns nicht zu beeinflussen sind. Aus heutiger Sicht hält die Unsicherheit an. Rutschen wir noch tiefer in eine Rezession? Greifen die Stützungsmaßnahmen der Staaten, greifen die Konjunkturpakete? Wie wird es in einigen Monaten auf den Arbeitsmärkten aussehen?

Unabhängig von den gesamtwirtschaftlichen Faktoren gibt es Einflüsse auf unser Geschäft, die schon heute absehbar sind. Im Einzelnen erwarten wir aus heutiger Sicht und mit aller Vorsicht für 2009 folgende Entwicklung:

  • In der Lebensversicherung werden sich 2009 vor allem die steigenden Abläufe auswirken, d. h. es laufen mittlerweile deutlich mehr Verträge regulär aus als früher. Damit sind auch Einbußen bei den Beitragseinnahmen verbunden, die vom Neugeschäft 2009 vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage wohl nicht kompensiert werden können. Deshalb rechnen wir unter dem Strich unter Berücksichtigung der hohen Abläufe für die Lebensversicherung für 2009 mit einem Rückgang der Beitragseinnahmen um 2 bis 3 Prozent. Der Beitragsrückgang ist jedoch wie gesagt maßgeblich durch reguläre Vertragsabläufe begründet und nicht überproportional durch die aktuelle Krise verursacht.
  • In der privaten Krankenversicherung könnten trotz eines schwierigen politischen Umfelds, das die Prognose zusätzlich erschwert, die Beitragseinnahmen mit einem ähnlichen Tempo wie im letzten Jahr wachsen. Das würde ein Beitragswachstum in 2009 von rund 3 Prozent bedeuten.
  • Da die Grundlagen für das Prämienvolumen der Schaden- und Unfallversicherer in 2009 bereits im letzten Jahr gelegt wurden, gehen wir trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds von einer stabilen Beitragseinnahmensituation, also einer Veränderungsrate von plus/minus 0 Prozent – mit leichter Tendenz nach unten – aus.

Im Ergebnis muss nach den Prognosen für die Hauptsparten für die Branche insgesamt im laufenden Jahr mit einem Beitragsrückgang von rund 1 Prozent gerechnet werden. Dieses Ergebnis muss vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Wirtschaftslage bewertet werden. Die Auswirkungen auf die Versicherungsnachfrage der privaten Haushalte und der Unternehmen werden spürbar, aber nach heutiger Einschätzung der verschiedenen Faktoren nicht dramatisch sein. Ein Wachstumsschub ist in diesem Umfeld aber natürlich auch nicht zu erwarten. Das muss man realistisch sehen.

Für die Beschäftigungsentwicklung in der Versicherungswirtschaft rechnen wir für das laufende Jahr weiterhin mit einem im Marktdurchschnitt moderaten Stellenabbau, der wohl voraussichtlich etwas stärker als in 2008 ausfallen wird. In 2008 war die Anzahl der angestellten Mitarbeiter im Innen- und Außendienst um 1,2 Prozent auf 216.300 Beschäftigte zurückgegangen. Ursachen für einen weiteren Stellenrückgang werden insbesondere die anhaltenden Restrukturierungsmaßnahmen der Unternehmen sein, die letztlich in der Intensivierung des Wettbewerbs und dem anhaltenden Strukturwandel begründet sind.

Meine Damen und Herren,

nach diesem Überblick will ich das folgende Fazit ziehen:

  • Die Versicherer haben sich in der Finanzkrise als stabiler Faktor behauptet.
  • Unser Geschäftsmodell beruht auf Ausgleichsmechanismen und Langfristigkeit.
  • Die Wirtschaftskrise wirkt sich natürlich dämpfend auf das Neugeschäft 2009 aus.
  • Die Versicherungswirtschaft sieht sich auch für 2009 trotz der Wirtschaftskrise gerüstet.

Meine Damen und Herren,

ergänzend zu den bisherigen Ausführungen zur Finanzmarktkrise möchte ich diese Thematik noch um einen spezifischen Punkt aus dem Bereich der Schaden- und Unfallversicherung ergänzen. Anschließend werde ich Ihnen selbstverständlich auch den üblichen Bericht über das Ergebnis 2008 und einen ersten Ausblick auf 2009 zur Verfügung stellen.

Finanzmarktkrise und Kreditversicherung

Im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung rückt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine eher kleinere Versicherungssparte – die Kreditversicherung – regelmäßig in den Mittelpunkt des Interesses. Wie Sie wissen, bietet die Kreditversicherung Unternehmen Schutz vor Forderungsausfällen gegen ihre Abnehmer aus Warenlieferungen und Dienstleistungen. Es ist also nicht überraschend, dass als Auswirkung der aktuellen Krise das Geschäft der Kreditversicherer im Jahr 2008 durch einen deutlichen Anstieg des Schadenaufwands um 53,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gekennzeichnet war. Die Kreditversicherer sind aber selbstverständlich in der Lage, diese höhere Schadenbelastung „wegzustecken“ und sie werden sich auch nicht aus ganzen Branchen zurückziehen und keinen Versicherungsschutz mehr gewähren. Im Gegenteil – das versicherte Handelsvolumen betrug im Bereich der Delkredereversicherung im Inland im Jahr 2008 rund 286 Milliarden Euro gegenüber 233 Milliarden Euro Ende 2006 und 268 Milliarden Euro Ende 2007. Auch die Anzahl der Verträge in der Delkredereversicherung spricht eine klare Sprache: Ende 2006 belief sich der Bestand auf rund 38.300 Verträge, Ende 2007 auf ca. 38.800 und Ende 2008 auf 39.800. Auch das unterstreicht noch einmal, dass Kreditversicherer an langfristigen Partnerschaften mit ihren Kunden interessiert sind.

Allerdings müssen die Kreditversicherer wie bei jeder „normalen“ Rezession ihr Risikomanagement auf die veränderte Situation ausrichten und ihre Prämien- und Zeichnungspolitik entsprechend anpassen, um der sich teilweise rasant verschlechternden Risikolage Rechnung zu tragen. Aber, um das nochmals klar zu sagen: Das Geschäftsmodell des Kreditversicherers besteht darin, den Lieferanten einer Ware davor zu schützen, dass sein Abnehmer nicht zahlt. Der Kreditversicherer ist Experte in der Bonitätsprüfung dieses Abnehmers und wenn er sagt, dass es eine Wahrscheinlichkeit gibt, dass dieser Abnehmer nicht zahlt, dann ist der Lieferant gut beraten, wenn er diesem Rat folgt. Der Wert dieses Versicherungsverhältnisses besteht also schon darin, dass der Lieferant das geballte Know-how dieser Bonitätsprüfung und diesen guten Rat erhält. Sicherlich ist es nicht gut, wenn eine Ware nicht produziert wird, weil ein Abnehmer ausfallgefährdet ist. Dies ist aber immer noch besser, als wenn die Ware produziert und geliefert worden ist, die Investition also finanziert wurde, und dann das Geld ausbleibt. Mit der Folge, dass der eigentlich gesunde Hersteller selbst in Schwierigkeiten gerät. Es bleibt also dabei: Auch und gerade dadurch, dass die Kreditversicherer heute Risiken anders bewerten und Limite reduzieren, sind sie nicht etwa ein Problem, sondern ein stabilisierender Faktor des Systems.

Geschäftsergebnis 2008 und Ausblick auf das Geschäftsjahr 2009

Lassen Sie mich nun – wie bereits angekündigt – zum Ergebnis des Geschäftsjahres 2008 kommen und einen ersten Ausblick auf 2009 versuchen, der angesichts der Rahmenbedingungen aber durchaus mit Unsicherheiten behaftet ist.

Nach den vorläufigen Zahlen hat sich das Geschäftsergebnis der Schaden- und Unfallversicherer in 2008 im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Wir erwarten, dass die Combined Ratio nahezu unverändert bei 95 Prozent liegen wird. In Euro bedeutet dies einen versicherungstechnischen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro nach 2,1 Milliarden Euro in 2007.

Die fehlende Dynamik auf der Einnahmenseite ist im Wesentlichen auf die Entwicklung der Beitragseinnahmen in der Kraftfahrtversicherung zurückzuführen, da diese Sparte über 37 Prozent der gesamten Prämieneinnahmen der Schaden- und Unfallversicherung ausmacht. Für 2008 gehen wir in der Kraftfahrtversicherung von einem Minus von 2 Prozent aus, womit sich der seit 2005 vollziehende Abrieb fortsetzt. Die Entwicklung der Sparte wurde aber auch durch eine negative Entwicklung auf der Schadenseite in der Kaskoversicherung bestimmt. Vor allem Hagelschäden haben zu einer Mehrbelastung von rund 500 Millionen Euro geführt, wodurch der Schadenaufwand in Kasko insgesamt um fast 10 Prozent gestiegen ist. Die dadurch bedingten versicherungstechnischen Verluste in Kasko können durch das positive Ergebnis in der KH-Versicherung nicht ausgeglichen werden. Insgesamt rechnen wir in Kraftfahrt daher mit einem versicherungstechnischen Verlust von gut 300 Millionen Euro. Zum Vergleich: In 2007 konnten wir noch ein Plus von fast 400 Millionen Euro verbuchen.

Mit einem Plus von über 3 Prozent haben sich die Beitragseinnahmen in den Sachversicherungssparten dagegen positiv entwickelt. Allerdings muss dieser Zuwachs vor dem Hintergrund gestiegener Versicherungssummen in den gewerblichen und industriellen Segmenten gesehen werden, so dass diese positive Entwicklung sich doch etwas relativiert. Erfreulicherweise hat sich die Schadenseite in der Sachversicherung in 2008 deutlich entspannt, da ein Extremereignis wie „Kyrill“ ausgeblieben ist. Insgesamt rechnen wir in der Sachversicherung mit einem versicherungstechnischen Gewinn von etwa 700 Millionen Euro. Auch die Entwicklung in den übrigen Sparten der Schaden- und Unfallversicherung ist erfreulich. Die Allgemeine Haftpflichtversicherung dürfte in 2008 mit fast einer Milliarde Euro das größte versicherungstechnische Plus erwirtschaften. In der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherung hat sich, aufgrund eines deutlich erhöhten Schadenaufkommens, das versicherungstechnische Plus von 200 Millionen Euro im Vergleich zu 2007 nahezu halbiert.

Damit möchte ich zum Ausblick für 2009 kommen: Sie alle kennen die Prognosen – oder sagen wir besser die Versuche der Wirtschaftsinstitute, der Politik und anderer Experte die möglichen Entwicklungen für die nächsten Monate vorher zu sagen. Erfreuliches findet sich in diesen Prognosen nicht. Aktuell müssen wir davon ausgehen, dass sich die konjunkturelle Entwicklung auch auf das Geschäft der Schaden- und Unfallversicherer nachteilig auswirken wird: zum einen durch eine schwächere Nachfrage nach Versicherungsschutz bei den privaten Haushalten, wenn bei diesen die Wirtschaftskrise spürbarer wird und zum anderen natürlich auch bei den industriellen und gewerblichen Kunden aufgrund rückläufiger Umsätze, Gütertransporte und Investitionen. Gerade bei umsatzabhängigen Prämienberechnungen im industriellen Segment wird dies natürlich seine Spuren hinterlassen. Auch die Preissensibilität unserer Kunden nimmt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu, was sich wiederum auf die ohnehin stagnierenden Beitragseinnahmen auswirken könnte. Andererseits ist aber zu beachten, dass das in 2009 zu verbuchende Geschäft bereits in großen Teilen in 2008 geschrieben worden ist. Dies begünstigt eine Stabilisierung der Beitragseinnahmen auch in einem schwierigen Umfeld, wenn auch eine leicht negative Tendenz nicht zu vermeiden sein wird. Insgesamt müssen wir also für 2009 von leicht rückläufigen Beitragseinnahmen vor allem in der Kraftfahrtversicherung, der industriellen Sachversicherung sowie in der Transportversicherung ausgehen. In den anderen Sparten des Schaden- und Unfallbereichs erwarten wir hingegen eine Stagnation bei den Prämieneinnahmen bzw. ein geringfügiges Plus.

Gruppenfreistellungsverordnung

Meine Damen und Herren,

auf europäischer Ebene beschäftigt uns aktuell die Verlängerung der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) für die Versicherungswirtschaft über das Jahr 2010 hinaus. Durch die GVO werden die wichtigsten Bereiche der Zusammenarbeit in der Versicherungswirtschaft vom Kartellverbot gruppenweise freigestellt. Dies betrifft die Erstellung von Statistiken, Musterversicherungsbedingungen, Pools und Sicherheitsrichtlinien. Nach einem gestern von der EU-Kommission veröffentlichten Bericht soll die GVO nun bei den Musterversicherungsbedingungen und den Sicherheitsrichtlinien voraussichtlich im nächsten Jahr auslaufen. Hoffnung gibt uns, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, da es noch einen Folgeabschätzungsbericht und eine Anhörung der Marktteilnehmer geben soll.

Denn verstehen kann man das ganze Unterfangen nicht: Die GVO hat sich bewährt. Sie behindert nicht den Wettbewerb, sondern befördert ihn und ist so ganz im Sinne des Verbrauchers. Gerade die Erarbeitung von Musterversicherungsbedingungen eröffnet den Spielraum für unternehmensindividuelle Produktlösungen und somit für durch den Wettbewerb getriebene Innovationen. Außerdem geben sie den Verbrauchern eine Orientierungshilfe ohne die ein sinnvoller Vergleich der Produkte und Angebote für den Laien überhaupt nicht mehr möglich wäre. Wir halten es daher für geboten, dass die GVO auch in den Bereichen Musterversicherungsbedingungen und Sicherheitsrichtlinien verlängert wird. Für den Bereich der Statistikarbeiten scheint die Kommission die Sinnhaftigkeit der GVO selbst eingeleuchtet zu haben, da sie u. a. diesen Tatbestand in der GVO verlängern will.

Im Übrigen würde die EU auch keine andere Rechtslage schaffen, denn nicht die GVO, sondern der EG-Vertrag ist die entscheidende Rechtsgrundlage für die angesprochenen Formen der Zusammenarbeit, die allerdings erheblich abstrakter und komplexer gefasst ist. Es war daher gerade der Sinn der GVO, diese Komplexität zu reduzieren und den Versicherern im Interesse von Wettbewerb und Verbraucherschutz Kooperationen zu ermöglichen. Die Abschaffung der GVO würde also lediglich zu Rechtsunsicherheiten führen und die Branche damit zu zeitraubenden und rechtlich komplexen Wertungsfragen zwingen. Gerade in der schwierigen Wirtschaftslage sollten für die Versicherungswirtschaft aber keine neuen Rechtsunsicherheiten, Erschwernisse und Kosten geschaffen werden.

Lassen Sie mich bitte noch zu einem letzten Punkt kommen: Auch wenn derzeit die Finanzmarktkrise die ganze Aufmerksamt in Anspruch nimmt, sollten wir andere Themen nicht ganz vergessen. Die Rede ist von der Bedeutung der Elementarschadenversicherung und der dringenden Notwendigkeit hier die Marktdurchdringung deutlich und zügig zu erhöhen.

Sie erinnern sich vielleicht noch an die heftigen Überschwemmungen im letzten Jahr: Beispielsweise Anfang Juni im baden-württembergischen Killertal, wo sich ein Bach nach heftigen Regenfällen innerhalb kürzester Zeit in einen reißenden Fluss verwandelte und die Region verwüstete. Oder an die Überschwemmungen Ende Juli in Nordrhein-Westfalen, wo Teile von Dortmund nach einem heftigen Unwetter unter Wasser standen. Solche Elementarereignisse verursachen regelmäßig Schäden in Millionenhöhe. Die Frage ist dann häufig – wer kommt für diese Schäden auf und schnell wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung laut, wenn die Geschädigten über keinen Versicherungsschutz verfügen. Was viele nicht wissen: Überschwemmungsschäden können mit einer Elementarschadenversicherung versichert werden, die zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung abgeschlossen wird. Die deutschen Versicherer verfügen mit ihrem Hochwasser-Analyse-System „ZÜRS“ über ein sehr wirksames System, um für sämtliche Gebäude in Deutschland das Überschwemmungsrisiko aus Flüssen einschätzen zu können. Und wir sind in der Lage für über 98 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland Versicherungsschutz anzubieten. Leider wird dieser Versicherungsschutz immer noch viel zu wenig nachgefragt.

In Zusammenarbeit mit dem GDV und der Versicherungswirtschaft hat die bayerische Staatsregierung Mitte Februar die Kampagne „voraus denken – elementar versichern“ gestartet. Mit der Kampagne soll deutlich gemacht werden, dass sich Verbraucher gegen Elementarschäden versichern können und Staatshilfen bei Naturkatastrophen nur noch dann zur Verfügung stehen, wenn das Risiko nachweislich nicht versicherbar ist. Mit der Kampagne soll über die Möglichkeiten von Versicherungsschutz und Prävention aufgeklärt werden. Ziel ist es, dass bei der Bewältigung der finanziellen Folgen von Elementarereignissen Verbraucher, Versicherungswirtschaft und der Staat künftig eng zusammenarbeiten. Dieses Ziel begrüßen wir ausdrücklich.

Vielen Dank!

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Statement

Dr. von Fuerstenwerth zur Geschäftsentwicklung

Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied

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