12.02.2009
Kreditversicherung

Hast Du die Ware erhalten?

In der Rezession steigt auch die Zahl der Unternehmenspleiten. Jetzt können Kreditversicherer beweisen, wie wichtig sie für die Volkswirtschaft sind.

Anfang Oktober bangten 1600 Mitarbeiter um ihre Jobs. Die Banken hatten Knaus-Tabbert, einem der größten Caravanhersteller in Europa, einen Übergangskredit für die Wintermonate verweigert. Plötzlich stand das Familienunternehmen aus dem bayerischen Jandelsbrunn, das auf eine knapp 75-jährige Geschichte zurückblickt, vor dem Aus. Die Insolvenz kam unvorhergesehen. Im vergangenen Jahr hatte Knaus-Tabbert noch 19.000 Wohnwagen und Reisemobile verkauft. In so einer Situation leiden nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Lieferanten. Denn es ist in vielen Branchen üblich, dass Waren und Dienstleistungen nicht sofort bezahlt werden, sondern der Lieferant dem Kunden großzügige Zahlungsziele einräumt. Geht der Kunde pleite, droht dem Lieferanten, das ausstehende Geld zu verlieren. Mit einer Kreditversicherung kann er sich gegen solche Forderungsausfälle schützen.

Der Name des Produkts ist etwas irreführend, schließlich decken Kreditversicherungen nicht herkömmliche Kredite, sondern Warenlieferungen mit Zahlungszielen, sogenannte Lieferantenkredite, ab. Rund 40.000 Unternehmen haben in Deutschland eine solche Versicherung abgeschlossen. Das versicherte Handelsvolumen betrug per Ende September 2008 rund 336 Milliarden Euro. Im Wesentlichen teilen sich fünf Anbieter den deutschen Markt auf: Euler Hermes, Atradius, Coface, Zürich und R + V. Gerade in Krisenzeiten stehen Kreditversicherer im Fokus der Aufmerksamkeit. So ist der Schadenaufwand im vergangenen Jahr um 38,1 Prozent gestiegen. „Es sind für uns sicherlich fordernde Zeiten“, sagt Thomas Langen, Leiter der Arbeitsgruppe Warenkreditversicherung im GDV und Hauptbevollmächtigter für das Deutschland-Geschäft von Atradius, dem weltweit zweitgrößten Anbieter auf dem Markt. „Aber jetzt zeigt sich auch unsere volkswirtschaftliche Bedeutung.“

Um das Angebot anzupassen, stehen dem Kreditversicherer eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung. Will ein Lieferant mit einem Kunden einen Vertrag abschließen und seine Lieferung versichern lassen, bewertet der Versicherer zunächst die Zahlungsfähigkeit des Kunden. Ist das Risiko hoch, kann der Versicherer sein eigenes Risiko mindern, indem er die Versicherungssumme begrenzt. Ist das Risiko zu hoch, kann er sich auch komplett gegen eine Deckung entscheiden.

„Aber das sind nur Einzelfälle“, sagt Jörg Pohlücke, Referent für Haftpflicht- und Kreditversicherungen beim GDV. Zwar erwarten Kreditversicherer, dass sich die Lage in einzelnen Branchen wie Transport oder Autozulieferer in diesem Jahr verschlimmern wird. Vorwürfen, dass sich Kreditversicherer aus bestimmten Branchen komplett zurückgezogen hätten, tritt Pohlücke aber entgegen: „Das ist falsch. Die Kreditversicherer wägen jeden einzelnen Fall ab. Schließlich ist ihnen daran gelegen, ihr Geschäft zu erhalten oder sogar auszuweiten, solange das Risiko vertretbar bleibt.“

GDV Position:

Bei einem handelsvolumen von 336 Milliarden Euro zeigt sich gerade in Krisenzeiten die wirtschaftliche Bedeutung von Kreditversicherern.

Das wichtigste Instrument, um dieses Risiko zu kontrollieren, ist das sogenannte Limitmanagement. Erfährt der Versicherer, dass eine Firma in Zahlungsschwierigkeiten steckt, kann er die Limite für künftige Lieferungen verringern, um seinen Schaden zu begrenzen. „Das Limitmanagement ist eine Art Frühwarnsystem“, sagt Pohlücke. „Das ist auch im Interesse des Lieferanten.“ Schließlich geben ihm solche Alarmzeichen die Möglichkeit, Zahlungsbedingungen zu ändern oder Lieferungen zu stoppen. Denn auch der Lieferant muss im Schadenfall ja einen Teil des Ausfalls, nämlich seinen Selbstbehalt, bezahlen. Kommt es zu einer Insolvenz, vertritt der Versicherer auch hier die Forderungen der Lieferanten. Für dieses Jahr erwarten die Kreditversicherer steigende Schadenquoten. So soll die Zahl der Insolvenzen von 30.000 im vergangenen auf 33.000 in diesem Jahr steigen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass auch die Nachfrage für Kreditversicherungen anzieht. „Gerade jetzt können wir unseren Wert für Unternehmen unter Beweis stellen“, sagt Langen. Denn eine Lösung wie bei Knaus-Tabbert ergibt sich nicht für jedes Unternehmen: Der Caravanhersteller ist von einem – was sonst – niederländischen Investor übernommen worden.

Serge Debrebant ist freier Journalist in München. Ansprechpartner: Katrin Rüter, Tel. 030/20 20-51 19.