06.11.2008
Interview

„Kein Kunde muss sich um seine Lebensversicherung Sorgen machen“

Dr. Bernhard Schareck war fünf Jahre lang Präsident des GDV. Im Interview blickt er auf die Entscheidungen in seiner Amtszeit zurück, erklärt, welche Folgen die aktuelle Finanzkrise für die Versicherungswirtschaft hat und warum man sich auf seine Lebensversicherung immer verlassen kann.

ZUR PERSON
Schon als Schüler verdiente Dr. Bernhard Schareck, 63, sich sein erstes Geld bei einer Versicherung. Er studierte in Köln Wirtschaftswissenschaften und promovierte 1978 zum Thema „Computergestützte Planungssysteme in Versicherungskonzernen“. Von 1991 bis 1996 war er Vorstandsvorsitzender der Agrippina Versicherungsgruppe. Ab 1996 führte er die Karlsruher Lebensversicherungen AG als Vorstandschef, ab 1997 in Personalunion auch die Karlsruher Versicherungen. Im Januar 2006 wurde er Vorstandsvorsitzender der Karlsruher HK AG und Mitglied des Vorstands der Holding Wüstenrot & Württembergische AG.

Herr Dr. Schareck, als Sie am 13. November 2003 das Amt des GDV-Präsidenten übernahmen, titelte die Süddeutsche Zeitung über Sie: „Ein Musikfan mit Hang zu leisen Tönen.“ Ein Musikfan sind Sie immer noch aber wie oft mussten Sie in den vergangenen fünf Jahren auch mal lautere Töne anschlagen?

Sehr selten. Wer mit Politikern spricht, wird mit einer erhöhten Lautstärke nichts erreichen. Man muss bei politischen Debatten immer eine sachliche Basis finden und mit guten Argumenten die Gesprächspartner überzeugen. Ich habe immer versucht, weniger politisch motiviert zu argumentieren, sondern nach Möglichkeit die vorhandenen Problemstellungen rational darzustellen.

Zu Beginn Ihrer Amtszeit war in den Medien oft von einer „Krise“ der Versicherungsbranche die Rede. Sie selbst sprachen damals von einer „Weggabelung“, an der man stehe. Wo sehen Sie die Branche heute?

Die Versicherungswirtschaft ist gefestigt aus der damaligen Krise hervorgegangen und steht auch in Zeiten enormer Finanzmarktschwankungen sicher da.

Unter Ihrer Ägide wurden viele wichtige Entscheidungen getroffen. Eines Ihrer Hauptanliegen war die am 1. März 2006 vom GDV präsentierte Transparenzoffensive. Können Sie nach etwas mehr als zwei Jahren ein erstes Fazit ziehen?

Die jüngsten Lektionen aus der Finanzmarktkrise beweisen, dass unser Weg richtig war. Welche Formeln sind denn zurzeit in aller Munde, um die Krise zu überwinden und wieder Stabilität und Wachstum zu schaffen? Es sind die Schlüsselbegriffe »Transparenz“ und „Vertrauen. Anders gesagt: Ohne Transparenz kein Vertrauen. Dadurch, dass wir uns rechtzeitig zur Transparenzoffensive und damit zur Modernisierung der Kundenbeziehungen bekannt haben, verschafften wir uns bei den Gesetzesreformen eine bessere Position gegenüber überzogenen Regulierungsvorstellungen der Politik. So entwickelte sich die Jahrhundertreform des Versicherungsvertragsgesetzes mit der sie begleitenden Informationspflichtenverordnung und der Vermittler-Richtlinie zu einem Konsens bei der Modernisierung der Kundenbeziehungen. Die Umstellung darauf, die komplexe Veränderungsprozesse in den Unternehmen erfordert, ist noch nicht abgeschlossen. Die Übergangsfrist läuft ja auch noch.

Trotzdem: Die VVG-Reform ist seit 1. Januar dieses Jahres in Kraft. „Endlich wird das Versicherungsvertragsgesetz verbrauchergerechter“, freute sich zum Beispiel Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries war mit dem neuen Regelwerk zufrieden: „Die Kundinnen und Kunden sind die Gewinner dieser Reform.“ Scheint so, als wären alle beteiligten Parteien zufrieden. Ist es auch der GDV?

Grundsätzlich haben wir diese Reform immer begrüßt. Das hundert Jahre alte Gesetz wurde der modernen Gesellschaft sowie den veränderten Bedürfnissen, Erwartungen und Ansprüchen der Menschen nicht mehr gerecht. Deshalb bin ich ja auch davon überzeugt, dass von der Modernisierung neue Marktimpulse ausgehen werden – wenn offensiv an die Umsetzung herangegangen wird. Dies ist meine Botschaft an unsere Mitgliedsunternehmen, die ich übrigens bei vielen Gelegenheiten verkündet habe.

Ist der Kunde jetzt zufriedener als früher?

Noch zufriedener?, müsste man eigentlich fragen. Zwar hört man immer wieder, dass das Verhältnis zwischen Kunden und Versicherern schwierig und belastet sei. Wir haben im März dieses Jahres eine Kundenzufriedenheitsanalyse beim Allensbacher Demoskopie-Institut in Auftrag gegeben, um exakt zu erfahren, wie zufrieden die Kunden mit uns und unseren Vermittlern sind. Ergebnis: Der deutsche Verbraucher hat ein ausgesprochen positives Bild vom Versicherungsvermittler, der ihn persönlich betreut. Und er hat auch ein sehr positives Bild vom Versicherungsunternehmen, bei dem er sein Produkt gekauft hat und bei dem er seine Schäden abwickelt. Das ist das Bild, das auf eigenen Erfahrungen beruht. Wenn man Versicherungskunden aber fragt, welches Bild sie von Versicherungen allgemein haben, wenn man also sozusagen das Fernbild einstellt, kommen Vorbehalte. Das ist ein Imageproblem, dem wir aktiv entgegenwirken wollen.

Wie?

Einstein hat mal gesagt: »Wir können heute Atome spalten! Aber bei Vorurteilen gelingt uns das noch nicht. Dennoch sollten wir alles tun, um es zu versuchen.“ Ich will es versuchen: Wer sich die Leistungskraft der deutschen Versicherungswirtschaft anschaut, wird bemerken, dass ohne die Versicherungsbranche kein wirtschaftlicher oder technologischer Fortschritt möglich wäre. Denken Sie nur an Henry Ford, der sagte: »Ohne Versicherungen wäre New York nicht gebaut worden.“ Unternehmerischer Wagemut und Zukunftsinvestitionen brauchen Flankierung. Ob Auto- oder Luft- und Raumfahrtindustrie, ob Chemie- oder Pharmaindustrie, ob Produkthaft-pflicht-, Kredit- oder Rechtsschutz auf den globalen Märkten – Versicherungen sind unabkömmliche Wegbereiter und -begleiter von Fortschritt und Wachstum. Auch die gesellschaftspolitische Seite fasziniert. Ich meine den Solidaritätsgedanken, auf dem das Versicherungswesen basiert. Da steht eine Gemeinschaft zusammen, um Einzelschicksale aufzufangen. Das ist doch großartig – das Modell Versicherung kann insofern nach den jüngsten Krisenvorgängen einer Renaissance entgegengehen.

Dennoch bleibt das Paradoxon der eben erwähnten Studie bestehen.

Ja, niemand beschäftigt sich gern mit seinem Tod, dem Abbrennen seines Hauses oder dem Totalschaden seines Autos. Im Übrigen: auch ich nicht. Die Beschäftigung mit diesen Themen birgt naturgemäß Unwägbarkeiten und Gefahren, die tief ins persönliche Leben schneiden können.

Kommt daher also das Unbehagen?

Zum Teil ja. Versicherungen werden als unentbehrlich für eine abgesicherte Existenz respektiert, sind aber gerade deshalb nicht immer beliebt. Bei Millionen Versicherungsfällen treten auch Reibungen auf. Man darf aber nicht die Relationen übersehen. Beim Ombudsmann der Versicherungen, der dafür da ist, dass Klärungen kundenfreundlich erfolgen, landeten vergangenes Jahr 17.592 Beschwerden. Diesen Beschwerden stehen 377 Millionen Verträge gegenüber. Die Beschwerdequote liegt also im Promillebereich. Auf 100.000 Versicherungsverträge kommen nicht einmal fünf Beschwerden. Wie zufrieden die Menschen in Deutschland mit den Versicherungsleistungen sind, dokumentiert auch eine amtliche EU-Vergleichserhebung. Ganz oben in der Rangliste der Zufriedenheit: die Versicherungskunden in Deutschland. Ich meine, das verdient wenigstens den erwähnten objektiven Respekt.

Es handelt sich also um ein in den Medien verzerrt dargestelltes Bild?

So pauschal würde ich das nicht formulieren. Ein Beispiel, das mich einmal vor Jahren sehr berührt hat: Eine 18-jährige Versicherungsnehmerin wurde beim Aussteigen aus ihrem Auto von einem vorbeifahrenden Fahrzeug erfasst. Sie überlebte – querschnittsgelähmt. Ein wirklich sehr tragisches Einzelschicksal – und ein sehr teurer Versicherungsfall. Allein der Personenschaden belief sich auf etwa neun Millionen Euro. Darin enthalten waren: 24-Stunden-Pflege, behindertengerechter Umbau des Hauses, alle zwei Tage eine Fahrt in ein 50 Kilometer entferntes Schwimmbad zwecks Bewegungstherapie und vieles andere mehr. Aus versicherungstechnischer Sicht wurde also eine finanzielle Rückstellung von neun Millionen Euro nötig. Aber die Mutter der Versicherungsnehmerin fand diese Leistungen nicht ausreichend. Also wurde der Fall noch einmal neu erfasst. Ergebnis: Für 450.000 Euro wurde ein Pool im Haus des Unfallopfers gebaut, damit die Fahrten ins 50 Kilometer entfernte Schwimmbad entfallen konnten. Kurz nach dieser Bewilligung erhob die Mutter weitere Forderungen und brachte auch die Medien in Stellung. Nachdem in Vorgesprächen mit den Journalisten aber die bereits erbrachten Leistungen dargestellt wurden, war von einer Veröffentlichung über die Hartleibigkeit der Versicherung bei diesem tragischen Schicksal nicht mehr die Rede.

Das emotionale Leid eines Einzelnen steht gegen die rationale Leistungsgrenze der Versichertengemeinschaft?

Keineswegs immer. Aber mit Blick auf die Versichertengemeinschaft sind bei den Leistungen natürliche wirtschaftliche Grenzen gesetzt. Dennoch ist es sicher nicht so, dass man als Versicherer nicht mitfühlt. Ganz sicher nicht.

Herr Schareck, im vergangenen Jahr folgte die Umsetzung der europäischen Vermittlerrichtlinie. Sie brachte neue Ausbildungs- und Dokumentationspflichten, die wiederum die Kosten der Versicherer nach oben treiben.

Die verbraucherschutzorientierte Neuregelung des VVG – die EU-Vermittlerrichtlinie ist ja ein Teil davon – ist in der Tat sehr kostenintensiv. Inklusive Krankenversicherung kosten die Erstumstellungen unsere Branche etwa eine Milliarde Euro. Das ist kein Klacks für die Versicherer. Aber man sollte auch hinzufügen: Erstens wird die Beratung durch die Dokumentationspflicht objektiviert, die Vermittler erhalten eine bessere Ausbildung und unsere Kunden dadurch eine bessere Beratung. Die EU-Vermittlerrichtlinie ist ein sehr gutes Instrumentarium, um die Qualität des Außendienstes zu heben und das nach außen dokumentieren zu können – ein Wettbewerbsplus, das bestimmt auch unserem Image zugute kommt.

Außerdem macht die Neuerung die Beratung, zum Beispiel bei Lebensversicherungen, sehr viel anspruchsvoller. Wie beurteilen Sie die künftige Rolle des Produktes Lebensversicherung?

Bei einer klassischen Kapitallebensversicherung haben Sie eine Garantie des Beitrags, eine Garantie des Rechnungszinses, eine Garantie der Überschussbeteiligung, eine Garantie aller Überschussbeteiligungen, die in der Laufzeit dem Vertrag zugewiesen wurden, und Sie besitzen außerdem einen Insolvenzschutz durch die Protektor AG. Ich frage Sie: Wo gibt es noch mehr Garantien?

Ist die deutsche Lebensversicherung das sicherste Produkt, das es zurzeit auf dem Markt gibt?

Außerordentlich sicher, ja. Kein Kunde muss sich um seine Lebensversicherung Sorgen machen. Eigentlich müssten alle Vermittler ausschwärmen und ihren Kunden mitteilen: Die deutsche Lebensversicherung, von vielen sogenannten Experten als „Rendite-Langweiler“ beschimpft, ist ein Kraftpaket an Sicherheit – plus Rendite.

Aus welchen Komponenten setzt sich dieser Schutz einer Lebensversicherung zusammen?

Wenn eine Bank in die Insolvenz geht, dann werden die Konten – soweit es überhaupt möglich ist – ausgezahlt. Unser Insolvenzschutz in der Lebens-und Rentenversicherung ist anders aufgebaut: Im unwahrscheinlichen Falle einer Insolvenz wird der Kundenvertrag buchstabengetreu bis zum Ende durchgehalten und abgegolten. Dazu haben wir die Protektor AG gegründet, einen Schutzfonds. Alle Lebensversicherer haben zusammen rund 500 Millionen Euro direkt eingezahlt. Sollte wider Erwarten etwas passieren und die 500 Millionen Euro reichen nicht, müssen die Versicherer sofort bis zu 500 Millionen Euro nachschießen. Reicht dieser Gesamtbetrag noch nicht, wird der Kunde nur mit maximal bis zu fünf Prozent seiner Rückstellung beteiligt in der EU sind übrigens Selbstbeteiligungen bis zu 25 Prozent üblich. Sollte selbst dieses Volumen noch nicht reichen, müssen die Versicherer den Rest ausgleichen – bis zu fünf Milliarden Euro. Das ist ein absolut tragfähiges Sicherheitsnetz.

Das zurzeit alle Debatten beherrschende Thema ist die Krise an den Finanzmärkten. Welche Auswirkungen hat diese Krise denn nun konkret auf den deutschen Versicherungsmarkt?

Diese Finanzkrise ist eine Vertrauenskrise im Interbankenverkehr und hat mit den Versicherern wenig zu tun. Das bedeutet, eine Bank A gibt einer Bank B keinen Kredit mehr, weil zwischen diesen beiden Banken kein Vertrauen besteht, dass der vergebene Kredit auch zurückbezahlt wird. Das führt dazu, dass insgesamt weniger Kredite fließen und – gerade in Deutschland – der Mittelstand sehr leidet. Deshalb hat die Bundesregierung ja auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mit dem 500-Milliarden-Paket die Krise zu meistern.

In den Fokus gerieten auch die Lebensversicherungen – gerade als der amerikanische Versicherer AIG, immerhin einer der größten Versicherer der Welt, vom Staat gestützt werden musste.

Dazu möchte ich Folgendes klarstellen: Die Schwäche von AIG lag nicht im Versicherungsgeschäft. AIG hatte zwei Standbeine: auf der einen Seite das Versicherungsgeschäft, auf der anderen das Finanzgeschäft. Das Finanzgeschäfts-Standbein von AIG ist eingeknickt, das Versicherungsgeschäft dagegen steht wie eine Eins. Bei dem belgischen Unternehmen Fortis verhält es sich übrigens genauso. Deshalb sind viele deutsche Unternehmen sehr daran interessiert, gute Unternehmensteile dieser Konzerne zu erwerben.

Aber deutsche Versicherer investieren doch auch am Kapitalmarkt. Woran liegt es im Kern, dass die deutsche Versicherungswirtschaft fast immun gegen diese Krise zu sein scheint?

Das liegt insbesondere an unseren Kapitalanlage-und Kalkulationsvorschriften. Wir arbeiten innerhalb eines regulatorischen Rahmens, der uns im Gegensatz zu Banken vieles nicht erlaubt.

Zum Beispiel?

„Asset Backed Securities“, das sind mit Vermögensgegenständen unterlegte Wertpapiere, also jene Zertifikate, die während dieser Krise vielen Banken und Anlegern enorme Verluste eingebracht haben. Versicherer dürfen von diesen „Asset Backed Securities“ als Kapitalanlagekomponente per Vorschrift maximal 7,5 Prozent ihrer gesamten Kapitalanlagen besitzen. Der reale Anteilswert betrug vergangenes Jahr aber sogar nur 1,6 Prozent. Das zeigt, unsere Vorschriften zielen darauf, die Kapitalanlagen zu streuen, zu mischen, uns nicht auf eine Kapitalanlageart zu verlassen. Das ist ein großer Vorteil: Unsere Mitgliedsunternehmen haben kaum Kreditrisiken in ihren Büchern.

Das klingt für viele Versicherungskunden sehr erfreulich. Erfreulich war in den vergangenen Jahren auch die Entwicklung der Riester-Rente. Die staatlich geförderte Altersvorsorge wurde zum Verkaufsrenner.

Ja, die Entwicklung gibt Grund zur Freude, insbesondere auch aus Wettbewerbssicht. 78 Prozent sämtlicher Riester-Verträge im Gesamtwert von 77,6 Milliarden Euro sind bei Versicherungen abgeschlossen. Auf Investmentfonds und Banksparverträge entfallen nur 22 Prozent. Aber wir müssen weiter daran arbeiten, die Menschen im Land darauf hinzuweisen, dass eine private Altersvorsorge etwa mit einer Riester- oder Basisrente unerlässlich ist.

Sie waren immer der Überzeugung, dass in der Gesellschaft ein Bewusstseinswandel stattfinden muss zugunsten der privaten Altersvorsorge. Ist dieser Wandel eingetreten?

Der Wandel hat sicher schon eingesetzt, denn es wurden ja bereits mehr als zwölf Millionen Riester-Verträge abgeschlossen. Und wir haben auch in der Basisrente ein zunehmendes Wachstum. Ich denke, die Menschen begreifen immer mehr, dass sie die lange Zeitspanne zwischen ihrer Pensionierung und ihrer gestiegenen Lebenserwartung ökonomisch bewältigen müssen. Ich bin sehr optimistisch, dass sich die private Altersvorsorge auch in Zukunft stark weiterentwickeln wird.

Und die Entwicklung der Lebensversicherung?

Schauen Sie, die aktuelle Finanzkrise hat ihre tiefen Spuren hinterlassen. Viele Spuren haben ins Nichts geführt, sprich: in den Verlust von Anlagen. Eine Spur aber hat den Menschen glasklar aufgezeigt: Selbst in der größten Krise sind die Lebensversicherungen eine sichere Anlage, selbst in der größten Krise kann man sich auf die Versicherer und ihre Produkte verlassen. Nie seit Bestehen der Bundesrepublik hat ein Versicherungskunde sein eingesetztes Geld verloren. Ein stärkeres Motiv für den Abschluss einer Lebensversicherung kann es nicht geben.

Was kann die Politik noch zusätzlich tun, um die Eigenverantwortung der Bürger weiter zu motivieren?

Es existiert ein ganzer Reigen von Instrumenten, etwa in der Steuergesetzgebung. Die Versicherer befinden sich in einem sehr harten Wettbewerb mit den Fondsanbietern. Die Fondsanbieter möchten steuerlich ebenso behandelt werden wie die Lebensversicherungen. Ich halte diese Forde rung für falsch, weil die beiden Produktgruppen nicht identisch sind. Wir sichern das biometrische Lebensrisiko ab, und die Fondsanbieter machen das eben nicht.

Aber die Diskussion darüber ist in vollem Gange.

Ja, man sollte es aber vermeiden, die Lebensversicherungsprodukte wieder zu beschneiden. Eine Beschneidung wäre es, den verbliebenen Steuervorteil zu streichen. Vonseiten der Regierung muss man außerdem alles tun, um die Belastung der Sozialsysteme vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zu verringern. Die Struktur der Alterung führt dazu, dass sich diese Proportionen noch weiter zu Ungunsten der wirtschaftsaktiven Generation verschieben werden, das heißt, in Zukunft werden noch mehr Menschen von Transferleistungen leben, was an die Grenzen der Belastungsfähigkeit staatlicher Leistungen stoßen wird: Mehr private Vorsorge ist aus diesem Grund unumgänglich. Und ich möchte betonen, dass das jetzt nicht interessenorientiert ausschließlich vom GDV so gesehen wird. Auch die Politik weiß, dass dies für alle Sozialsysteme gilt: für die Krankenversicherung, für die Rentenversicherung, die Unfall- und Arbeitslosenversicherung bis hin zur Pflegeversicherung.

Interview: Alexandros Stefanidis