25.08.2008
Falsche Methodik

Öko-Test zu Direktversicherungen ist Irreführung der Öffentlichkeit

Zur aktuellen Ausgabe von Öko-Test, in der behauptet wird, dass sich Direktversicherungen wegen angeblich zu niedriger Renditen nicht lohnten, erklärt der Geschäftsführer „Lebensversicherung“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Peter Schwark:

„Die von Öko-Test durchgeführten Berechnungen basieren auf falscher Methodik und falschen Annahmen und führen deshalb zu falschen Ergebnissen. Damit wird ein nachweislich effektives Produkt der betrieblichen Altersversorgung diskreditiert und viele Arbeitnehmer verunsichert und in die Irre geführt.

Die wichtigsten methodischen Fehler von Öko-Test im Überblick:

  • Die von Öko-Test zugrunde gelegten Lebenserwartungsannahmen des Statistischen Bundesamtes sind für die Lebensversicherung zu niedrig: Zum einen ist die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker gestiegen als vom Statistischen Bundesamt prognostiziert – unter anderem wegen des enormen medizinischen Fortschritts. Zum anderen müssen Lebensversicherer im Unterschied zum Statistischen Bundesamt vorsichtig und mit Sicherheitsmargen rechnen, weil sie Rentenfaktoren von bis zu 60 Jahren und mehr garantieren. Außerdem müssen die Versicherer in ihrer Kalkulation berücksichtigen, dass Rentenverträge freiwillig überwiegend von Menschen abgeschlossen werden, die von einer mindestens normalen Lebenserwartung ausgehen (sog. Anti-Selektion).
  •  

  • Die gesetzlich vorgeschriebene Überschussbeteiligung der Versicherten an allen Risikoüberschüssen bleibt in den Berechnungen von Öko-Test – entgegen anderslautender Behauptung – unberücksichtigt. Dieser Fehler in der Analyse erklärt, warum die von Öko-Test berechneten Renditen für die Rentenphase etwa 1 Prozentpunkt niedriger ausfallen als für die Ansparphase.
  •  

  • Ein weiterer methodischer Fehler von Öko-Test besteht darin anzunehmen, die Bundesbürger könnten durch das regelmäßige Kaufen von Bundesanleihen einen sicheren Zins nach Kosten von 4,45 Prozent erwirtschaften. Diese Annahme ignoriert nicht nur die Kosten, die damit verbunden sind, Monat für Monat bei der Hausbank für z. B. 50 Euro Bundesanleihen zu ordern. Verkannt wird auch, dass das Zinsniveau stark schwankt. Noch 2005 lag das Zinsniveau bei nur 3 Prozent. Demgegenüber bieten Lebensversicherungen eine unerreichte Kalkulationssicherheit.
  •  

  • Öko-Test unterstellt unbegründeter Weise einfach eine über die nächsten 30 Jahre konstante Überschussbeteiligung auf heutigem Niveau. Dass künftig infolge der gestiegenen Zinsen auch wieder höhere Überschüsse erwirtschaftet werden können, wird ausgeblendet. Ebenso bleibt unberücksichtigt, dass Lebensversicherer zudem nicht nur in Bundesanleihen, sondern zu erheblichen Anteilen auch in renditestärkere Unternehmensanleihen und Aktien investieren.
  •  

  • Öko-Test übersieht, dass die Zinserträge von Anleihen laufend besteuert werden. Die steuerlich viel günstigere Situation von Direktversicherungen unterschlägt Öko-Test vollständig. Entscheidend aus Sicht des Versicherten ist jedoch die Nachsteuerrendite.

Der aktuelle Test zu Direktversicherungen ist ganz offensichtlich ein erneuter Versuch von Öko-Test, seine Stellung im Markt der Finanztests mit reißerischen Testergebnissen auf Basis unseriöser Methoden zu stärken. Bereits in der Vergangenheit hatte der GDV die untauglichen Methoden kritisiert, mit denen Öko-Test versuchte, Renditen von Rentenversicherungen zu berechnen (vgl. dazu GDV-Presseerklärung vom 25. Juli 2008).

Der GDV fordert Öko-Test deshalb erneut auf, seine Methoden künftig in Fachbeiräten gegenüber Praktikern und Branchenexperten zur Diskussion zu stellen. Bis dahin empfiehlt der GDV seinen Mitgliedsunternehmen, eine Testteilnahme davon abhängig zu machen, dass die Testmethodik zur eigenen fachlichen Prüfung offengelegt wird.“

Mehr zum Thema:
>> Alle GDV-Klarstellungen im Überblick

Ansprechpartner:
Ulrike Pott
Tel.: 030 / 20 20 – 51 10
u.pott@gdv.de

Downloads

pdf bild
Kommentar

Zur Replik von ÖKO-TEST vom 27. August 2008

Schlagworte