27.03.2008
GDV-Pressekolloquium 2008

Statement des GDV-Präsidenten Dr. Bernhard Schareck zur Geschäftsentwicklung 2008

Statement des GDV-Präsidenten Dr. Bernhard Schareck auf der Pressekonferenz zum Pressekolloquium 2008.

Meine Damen und Herren,

herzlich willkommen zu unserem Pressekolloquium 2008. Wir freuen uns, dass Sie zu uns nach Berlin gekommen sind und danken Ihnen für Ihr Interesse an der Entwicklung der deutschen Versicherungswirtschaft. Das Pressekolloquium fällt ja regelmäßig in die Zeit des beginnenden Frühlings. Da liegt es nahe, im „Jahre Eins des Inkrafttretens des neuen Versicherungsvertragsgesetzes“ über das „Frühlingserwachen“ der deutschen Versicherungswirtschaft zu sprechen. Und es wird sicher in diesem Kolloquium an vielen Stellen des Programms die Frage und die Rede davon sein, welche neuen Antriebe für die Branche nach dem jahrelangen Reform-Hin-und-Her wirken, das in dem Finale mit der Novellierung des Versicherungsvertragsgesetzes samt begleitenden Verordnungen zum 1. Januar dieses Jahres seinen Höhepunkt fand.

Die amerikanische Hypothekenkrise zieht sehr frostige Auswirkungen auf die Finanzmärkte nach sich – und damit auf Konjunktur und Wachstum generell, und zwar möglicherweise auf länger als die absehbare Zeit. Banken mussten und müssen weltweit Abschreibungen und Verluste in Milliardenhöhe bekannt geben beinahe täglich kommen neue Meldungen hinzu.

Zur aktuellen Lage auf den Finanzmärkten

Aktuell – und das drückt sich auch in den alarmierten Politikerstatements aus – wird einmal mehr deutlich, meine Damen und Herren: Sicherheit und Vertrauen bleiben die Axiome des Vorsorgemarktes und jeglicher finanzieller Lebensplanung. Und sie müssen das Alleinstellungsmerkmal unserer Branche, besonders der Lebensversicherung, bleiben. Immerhin gilt: Auch im Jahrhundertcrash 2002/2003 hat kein Lebensversicherungskunde Geld verloren.

Die aktuellen Erschütterungen der Finanzmärkte rücken diese Grunderkenntnis wieder in den Vordergrund und bestätigen zudem die Stabilitätsfunktion der Versicherungswirtschaft im globalen Finanzgeschehen. Deutsche Versicherungen sind von der amerikanischen Hypothekenkrise bisher nicht unmittelbar betroffen. Wir werden weiterhin die Auswirkungen auf das Finanz- und Wirtschaftsgeschehen mit aller Sorgsamkeit beobachten und in unsere strategischen Überlegungen einbeziehen.

Gemessen an der Summe ihrer Kapitalanlagen von rund 690 Milliarden Euro sind die deutschen Lebensversicherer nur mit zirka 1,7 Prozent aller Kapitalanlagen direkt und indirekt über Fonds in Asset Backed Securities und Credit Linked Notes investiert. Hiervon ist der ganz überwiegende Teil in Anlagen mit höchster Bonität angelegt. Somit ist nur ein unwesentlicher Bruchteil des Vermögensbestands in risikobehafteten US-Subprime-Anlagen angelegt. Auch eine indirekte Gefahr, etwa über die Anlage in Hedge-Fonds oder in anderen alternativen Investments, die ihrerseits in risikobehaftete US-Subprime-Anlagen investiert sind, ist nicht erkennbar. Hier schlagen sich nicht zuletzt die hohen Anforderungen an die Qualität der Kapitalanlagen der Lebensversicherer und an das Risikomanagement im Kapitalanlagebereich nieder – die Kapitalanlage der Lebensversicherer ist in erster Line sicherheitsorientiert. So wird etwaiger Abschreibungsbedarf der Versicherungsunternehmen nach derzeitigem Stand keinen nennenswerten Einfluss auf die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen bzw. auf die Jahresergebnisse der Versicherungsunternehmen haben.

Die BaFin hat seit Sommer 2007 zwei Abfragen zu den Kapitalanlagerisiken unter solchen Versicherungsunternehmen durchgeführt. Ergebnis: Über 70 Prozent der Versicherungsunternehmen ist gar nicht in ABS investiert. Lediglich ein Bruchteil der verbleibenden 30 Prozent ist überhaupt im amerikanischen Subprime-Segment engagiert. Zudem hat die BaFin auch überprüft, in welcher Höhe deutsche Versicherungsunternehmen an Kreditinstituten beteiligt sind, um eine direkte indirekte Betroffenheit über Beteiligungen auszumachen. Ergebnis: ohne Befund!

Meine Damen und Herren, ich habe dieses Thema gleich an den Anfang meiner Ausführungen gestellt, weil es aktuell die wirtschafts- und finanzpolitische Szene überschattet. Wir werden im Verlauf dieses Kolloquiums gewiss an verschiedenen Stellen noch einmal darauf zurückkommen, auch auf die unter Umständen politischen Folgewirkungen dieser Krise. Die in dem Markt von Geld und Vorsorge tendenziell verabsolutierten Ziele Wachstum und Rendite könnten die Priorität wieder abtreten an das Prinzip Sicherheit – dies ließe sich auch schnell in gesetzliche oder administrative Vorgaben gießen.

Geschäftsverlauf der Versicherungswirtschaft 2007/Ausblick 2008

Und damit komme ich zu dem Überblick über die aktuellen Trends im Geschäftsverlauf unserer Branche. Über die einschlägigen Branchenkennzahlen hinaus geht es gerade auch unter mancherlei Paradigmenwechsel um die Tendenzen, die dahinter stehen und das Versicherungsgeschäft unter den veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen, aber auch unter den Einflüssen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels, mittel- bis langfristig prägen. Dies ist ja auch immer wieder Hauptziel dieses Pressekolloquiums über die reine Aktualitäts- und Faktenberichterstattung hinaus. Zunächst also ein Gesamtüberblick, den meine Kollegen anschließend für ihre Branchenbereiche näher erläutern und vertiefen werden.

Vor dem Hintergrund der sich derzeit eintrübenden Konjunkturaussichten, als Folge der Spannungen und Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten, wirken die wirtschaftlichen Rahmendaten 2007 im Rückblick ausgesprochen günstig. Bezogen auf die Einkommenssituation der privaten Haushalte, auf die immerhin über 80 Prozent unserer Beitragseinnahmen entfallen, sind allerdings auch sie zu relativieren. Von daher gingen also für unsere Branche keine Wachstumsimpulse aus.

Lebensversicherung

So hat das stagnierende Einkommen der privaten Haushalte die Nachfrage in der Lebensversicherung gebremst. Hinzu kamen das schwierige Marktumfeld und die hohen Abläufe, die ebenfalls die Beitragsentwicklung dämpften. Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds sind in 2007 immerhin geringfügig gewachsen. Die Einmalbeiträge wuchsen deutlich – im Unterschied zu dem Neuzugang an laufenden Beiträgen.

Positive – ich möchte fast sagen – strahlende Ausnahme ist der Neuzugang in der Riester-Rente. Die geradezu stürmischen Steigerungen in den beiden Vorjahren wurden in 2007 noch einmal übertroffen. Die detaillierte Entwicklung wird Ihnen gleich noch Herr Dr. Zimmerer darstellen. Die Marktführerschaft in diesem Bereich zeigt die Akzeptanz der Versicherungswirtschaft in der breiten Bevölkerung, die auf zusätzliche Altersvorsorge neben den zurückgehenden gesetzlichen Leistungen angewiesen ist.

Die Riester-Verträge werden auch 2008 einen erheblichen Faktor der Versicherungsnachfrage bilden. In diesem Jahr gilt die zunächst letzte Förderstufe der so genannten „Riester-Treppe“. Allein aus diesen Bestandsanpassungen dürfte ein Wachstumsplus in der Lebensversicherung von gut einem Prozentpunkt resultieren. Insgesamt erwarten wir für die Lebensversicherung (i. e. S. und i. w. S.) im laufenden Jahr unter optimistischen Annahmen ein Beitragswachstum von knapp 2 Prozent.

Private Krankenversicherung

Die Entwicklung der Krankenversicherung bedarf einer gesonderten Betrachtung nach dem Kompromiss-Gesetzeswerk, das von keiner kompetenten Seite als tragende Verbesserung und Sicherung des deutschen Gesundheitswesens bewertet wird. Der Vorsitzende des PKV-Verbandes wird die eingetretenen und noch kommenden Wirkungen auf das Geschäftsmodell und die Kalkulationsgrundlagen der PKV darstellen. Als Überblick nur so viel: In Anbetracht der Beschneidung im Markt durch die so genannte Gesundheitsreform, also das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, ist ihr Wachstum von 3,4 Prozent in 2007 ausgesprochen respektabel, allerdings auf Kosten einer Strukturverschiebung in den Neuverträgen. Die Zusatzversicherung ist von wachsender Bedeutung. Mittlerweile werden 20 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen in diesem Feld generiert. Dennoch erwarten wir für die PKV in 2008 noch einmal ein Beitragswachstum von 3 Prozent.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass die PKV für ein modernes Gesundheitswesen in Deutschland unverzichtbar ist und das Gesamtthema im politischen Raum noch sehr intensiv auszutragen ist. Dabei wird auch die höchstrichterliche Entscheidung gesucht. Wie vergangene Woche vermeldet, haben 30 private Krankenversicherungsunternehmen beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde gegen Teile der Gesundheitsreform eingereicht. Der PKV-Verbandsvorsitzende, Herr Schulte, wird Ihnen hier die Verhältnisse näher erläutern, die zu der sicher nicht leichten Entscheidung führten, die Hilfe des höchsten deutschen Gerichts zu suchen.

Schaden- und Unfallversicherung

Auch wenn die Veränderungen in der Schadenversicherung im Vergleich zur Lebensversicherung nicht so intensiv im Fokus der öffentlich Diskussionen standen, weil sie sich hier eher schleichend vollzogen haben, so sind auch hier die Veränderungen gleichwohl bemerkenswert. In der Kraftfahrtversicherung, aber auch vielen weiteren Sparten verschärft sich die Geschäftslage auf stagnierenden Märkten bei zunehmendem Wettbewerb. Alleine in 2007 sind drei neue Direktversicherer im ohnehin stark umkämpften Markt der Autoversicherung gestartet. Diese Form des „industriellen“ Vertriebs wird sich wohl auch auf andere gut standardisierbare Versicherungszweige ausweiten.

Hinzu kommt, dass die Kraftfahrtversicherung naturgemäß mit der Konjunktur des Neuwagenabsatzes zusammenhängt. Und der ist ziemlich verhalten. Deshalb begeben sich die Autohersteller mehr und mehr in das Finanzierungsgeschäft und werden mit ihren pauschalen Paketangeboten an die Autokäufer für die Versicherungswirtschaft zu einer zunehmenden Konkurrenz. Ich erwähne dies in meinem Gesamtüberblick deshalb, weil auch in anderen Teilbranchen der Markt durch neue Vertriebsformen und zum Teil neue Wettbewerbsplayer getestet wird, um den Kunden mit kostengünstigen Angeboten zu erreichen.

So wurde die Entwicklung der Beitragseinnahmen in der Schaden- und Unfallversicherung auch im vergangenen Jahr maßgeblich durch die Entwicklung des weiterhin unter enormem Preis- und Konkurrenzdruckes stehenden Kraftfahrtgeschäfts bestimmt.

Für die Schaden- und Unfallversicherung insgesamt schlägt das bei überwiegend leichten Zuwächsen in den anderen Sparten mit einem Beitragsminus von 0,4 Prozent durch. Trotz unverändert hartem Preiswettbewerb und fehlenden Impulsen vom Mengengerüst bestehen 2008 für die Schaden- und Unfallversicherung gute Aussichten, zumindest ein stabiles Beitragsaufkommen (+/- 0 Prozent) verzeichnen zu können.

Es zeigt sich, dass mit Innovationen neues Wachstum zu generieren ist. Und die Schaden- und Unfallversicherer haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie sehr schnell in der Lage sind, auf neue Risiken durch das Angebot neuer Produkte zu reagieren. Ich möchte hier nur Deckungen für Haftpflichtansprüche nennen, die aus dem neuen Allgemeinen Gleichstellungsgesetz erwachsen können oder aus der Umwelthaftung. Entwickelt werden z. B. auch gezielt Produkte zur Absicherung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien.

Marktausblick

Auch der demographische Wandel – eröffnet anders als viele vielleicht zunächst meinen – der Schaden- und Unfallversicherung neue Chancen. Die Zunahme des Anteils älterer Menschen, aber auch die veränderten Lebenswelten lassen neue Märkte mit neuen Produkten entstehen. Ein Beispiel sind Assistance-Leistungen, die längst nicht nur ein für die Senioren-Unfallversicherung wichtiger Bestandteil sind und über die heute Nachmittag in einem eigenen Programmpunkt gesprochen wird. Mit der Verstärkung von umfassenden Serviceprogrammen um die Versicherungsprodukte herum entstehen ganz neue Wertschöpfungsketten.
Das nur leichte Beitragswachstum der Versicherungswirtschaft insgesamt in 2007 von 0,8 Prozent wird sich nach den Prognosen in diesem allerdings noch jungen Jahr 2008 auf etwa 1 ½ Prozent fast verdoppeln. Das ist immer noch eine Rate, die man gemeinhin als moderat zu bezeichnen pflegt, aber sie zeigt die Tendenz und eine gute Zukunftsperspektive.

Der sich seit Jahren vollziehende und beschleunigende Strukturwandel der Versicherungswirtschaft, der nahezu alle Sparten und Unternehmensbereiche betrifft – einschließlich der Reformstrapazen zuletzt – hat naturgemäß, wie wir aus Befragungen unserer Mitglieder durch das Münchener ifo-Institut wissen, zu einem eher verhaltenen Geschäftsklima in der Versicherungswirtschaft geführt. Die Stimmung im aktuellen Umfeld insgesamt ist aber durchaus zuversichtlich. Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate sind trotz einer leichten Eintrübung deutlich nach oben gerichtet. Das sind zwar immer noch keine Werte wie aus früheren sonnigen Zeiten, aber der Turn-around der Einschätzungen, könnte man sagen, wird sichtbar. Und in der Tat ist das Geschäftsklima in der Versicherungswirtschaft ja immer noch um Einiges freundlicher als in vielen anderen Branchen. Klar ist auch, dass – wie im Dax – die Werte einzelner Sparten den Durchschnitt stark beeinflussen können. In diesem Sinne schlägt sich naturgemäß die stimmungsmäßige Sonder-Belastung der PKV im Geschäftsklima der ganzen Versicherungswirtschaft nieder.

Kundenorientierung, Transparenz und Innovation

Meine Damen und Herren, damit komme ich zum „Frühlingsszenario“ zu Beginn zurück: Mit der VVG-Reform wie den anderen angesprochenen regulatorischen Neuerungen ist das Feld neu bestellt, sind für die Versicherungswirtschaft neue Chancen eröffnet. Denn die Neuorientierung, meine Damen und Herren, verleiht dem sich seit einer Reihe von Jahren vollziehenden Strukturwandel – endlich, möchte ich sagen – feste Konturen und neue Dynamik. In hervorstechender Weise gilt dies für die Kundenbeziehungen.

Verbraucherpolitisch ambitioniert hat der Gesetzgeber den Modernisierungsprozess, wie er auch nach Urteilen hoher und höchster Gerichte geboten war, mit der seit langem anstehenden Reform des VVG vollzogen. Die neuen gesetzlichen Leitplanken sind montiert aus VVG-Reform, der mit ihr zusammenhängenden Informationspflichtenverordnung sowie der EU-Vermittlerrichtlinie. Daraus resultiert ein Dreiklang gesetzlicher Regelungen als Neuintonierung der Beziehungen zwischen Kunden und Anbietern bzw. auch zwischen Kunden und Vermittlern. Veränderte Wertvorstellungen bei Kunden und Verbrauchern aufzunehmen, bedeutet Chancen der Modernisierung und Zukunftssicherung. Deshalb sind Offensivstrategien angesagt und keine bloßen Verteidigungskonzepte. Betrachten Sie dies gerade auch als Ansage gegenüber den sonstigen Finanzdienstleistern auf dem Markt der Vorsorge. Ich weiß, dass – vielleicht nach einer Phase der Verunsicherung – in den Unternehmen der Versicherungswirtschaft zu Beginn dieses „Jahres Eins nach der Reform“ ganz überwiegend so gedacht wird.

Und für dieses Selbstbewusstsein gibt es objektive Gründe. Zum Beispiel die Stärke des Vertriebs. Mit dem neuen Versicherungsvermittlerrecht wird in Deutschland erstmals eine un-mittelbare Regulierung des Berufsstands der Vermittler eingeführt. Ungebundene Vermittler benötigen zukünftig eine Erlaubnis und damit einhergehend einen Qualifikationsnachweis. Außerdem müssen sie über eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Folgen aus einer eventuellen Falschberatung verfügen. Für die gebundenen Vermittler stehen – wie bisher schon – die Versicherungsunternehmen ein und stellen eine hochwertige Qualifizierung sicher. So wird ein hohes Qualitätsniveau in der Vermittlerschaft und damit in der gesamten Branche gewährleistet, das wirklich ein reformgestütztes Wettbewerbsasset darstellt.

Nachdem das neue Gesetz bereits im Mai vergangenen Jahres in Kraft getreten ist, ist die Umsetzung hier schon weit fortgeschritten. Die Zulassung und Registrierung der Vermittler ist bundesweit in vollem Gange, ja fast flächendeckend abgeschlossen. Die nun verbindlichen Beratungs- und Dokumentationspflichten werden zudem von vielen Versicherern bereits seit längerem mit großem Erfolg praktiziert. Die neuen gesetzlichen Regelungen sind daher nur zu begrüßen, zumal sie prinzipiell alle Vertriebsstrukturen auch weiter zulassen.

Schließlich erfolgt die Umsetzung aller Strategie im Markt durch die Vertriebe. Sie sind der Transmissionsriemen. Um ihre neuen Chancen geht es. Und dafür herrscht, wie neue Umfragen belegen, auch überdurchschnittliche Akzeptanz bei den Verbrauchern.

Welches Potenzial an Kundenzufriedenheit im Unterschied zu weithin dominierender öffentlicher Wahrnehmung besteht, dokumentiert eine aktuelle Untersuchung der EU-Kommission.

Die Untersuchung der Europäischen Kommission zur europaweiten Analyse der Kundenzufriedenheit wurde in den 11 für Verbraucher existentiell bedeutenden Dienstleistungssektoren durchgeführt. Es handelt sich um eine offizielle und umfassende Vergleichsstudie in 25 EU-Mitgliedsländern bei 30.000 Verbraucher über 18 Jahre.

  • Danach liegt Deutschland mit 81,4 Prozent zufriedener Versicherungskunden an der Spitze. Der Anteil unzufriedener Versicherungskunden liegt mit nur 1,9 Prozent unter europäischem Mittelwert.
  • Einen Spitzenplatz nimmt der deutsche Versicherungsmarkt auch hinsichtlich Preis und Qualität seiner Dienstleistungen ein.

Diese ebenso umfang- wie aufschlussreiche Untersuchung, meine Damen und Herren, steht Ihnen auf unserer Website zum Download zur Verfügung – eine wirklich positive Botschaft in diesem so wettbewerbsentscheidenden Jahr, die zu nutzen ist.

Und ganz besonders auch, um die Blockade der Deutschen, die im Hinblick auf einen planvollen Aufbau der Altersvorsorge wider bessere Einsicht immer noch besteht, kommunikativ zu überwinden. Frau Prof. Dr. Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach hat auf dem Pressekolloquium vor zwei Jahren diese Blockaden geschildert. Heute wird sie Ihnen neueste Forschungsergebnisse über Verbrauchermentalitäten in diesem Zusammenhang vorstellen. Nehmen Sie auch diese von uns regelmäßig in Auftrag gegebenen Studien als ein Zeichen, wie ernst wir es meinen, wenn wir von neuer Kundenorientiertheit sprechen.
Erlauben Sie mir aber darauf hinzuweisen, dass die Entwicklung hin zu mehr Transparenz von der Versicherungswirtschaft gegenüber dem Gesetzgeber grundsätzlich unterstützt wurde. Diese Architektur einer zeitgemäßen, ausgewogenen, von uns mit nach vorne getragenen Kundenbeziehung habe ich Ihnen als unsere Zielvorstellung vor zwei Jahren präsentiert. Genau auf diese Grundzüge laufen die neuen gesetzlichen Regelungen hinaus, die jetzt in Kraft getreten sind. Sie müssen also keine Sorgen haben, dass etwa die Umsetzung „widerwillig“ oder hinhaltend verlaufen wird. Im Gegenteil – die gut vorbereitete Offensive kommt schon am Markt an.

Nicht übersehen werden darf, dass es – besonders in der Lebensversicherung – nicht nur zu einer Neuausrichtung des Interessenausgleichs zwischen Versicherer und Versicherten kommt, sondern auch zwischen dem einzelnen Versicherungsnehmer und dem Versichertenkollektiv. Das Prinzip der Versichertengemeinschaft geht also nicht unter gegenüber der Berücksichtigung einzelner Verbraucherinteressen. Das ist unerhört wichtig für die Rechtsprechung, die nach der Gesetzreform die neue Rechtswirklichkeit ausprägen wird.

Der Reformstau hat sich aufgelöst. Die neuen „Spielregeln“ fördern die Kreativität der Marktteilnehmer, „rütteln“ aber am gewohnten Erfahrungsspektrum und erzwingen zukunftssichernde Innovationen. So sind die deutschen Versicherer dabei, ihre Geschäftsmodelle an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen. Das geschieht in einer beispiellosen Modernisierung der Betriebsprozesse, was nicht zuletzt die enormen Investitionen in moderne Kommunikationstechniken dokumentieren (gemäß GDV-Erhebung allein 4 Mrd. Euro schon in 2006). Das geschieht mit einer Ausdifferenzierung in der Palette der Vertriebskanäle, das geschieht mit verstärkten Anstrengungen, um mit neuen Produktprogrammen, Dienst- und Komfortleistungen den gewandelten Ansprüchen und Bedürfnissen der Menschen in ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Umfeld und der modernen Gesellschaft insgesamt gerecht zu werden.

Alles in allem ist eine Gesamtstrategie erforderlich, die die entscheidenden Erfolgsfaktoren Produkte, Vertrieb sowie Prozesse und Systeme integriert. Das möchten wir Ihnen in diesem Kolloquium in den offiziellen Programmpunkten und in den begleitenden Gesprächen nahe bringen. Ein Saldo ist sicher: Auch wenn ganz unterschiedliche Strategien möglich sind und es große Unterschiede von Versicherer zu Versicherer geben wird: Kundenorientierung, Transparenz und Innovation sind dabei die Drehmomente für Fortschritt und Chancen in der Zukunft.