20.02.2008
Produktinformationsblatt

Alles auf einen Blick

Die Informationspflichtenverordnung regelt die Beziehung zwischen Versicherungen und ihren Kunden neu. Im Zentrum der Reform: das Produktinformationsblatt.

Für Lino Janke ist Wandel etwas Gutes im Leben: „Alles was neu ist, ist erst einmal positiv.“ Der 24-jährige Berliner ist als Versicherungsfachmann im Außendienst seit zwei Jahren bei einer Generalagentur der Zurich angestellt. Bei seinen Beratungsgesprächen in diesem Jahr reagierten die Kunden bisher unterschiedlich auf die neuen Regelungen: „Einige haben davon noch gar nichts gehört, andere kennen sich aber erstaunlich gut aus“, sagt Janke, der als Quereinsteiger in die Branche zunächst Sport- und Fitnesskaufmann gelernt hatte. Mitte Dezember letzten Jahres wurde er bei einer speziellen Schulung auf das neue Versicherungsvertragsgesetz vorbereitet. Das neue Gesetz löst die fast hundertjährigen Regelungen des alten ab und krempelt die Beziehung zwischen Versicherungen und ihren Kunden um. Hinzu tritt die Informationspflichtenverordnung. Eine Weiterbildung dazu macht Janke demnächst.

Die Verordnung aus sieben Paragraphen ist am 1. Januar mit Übergangsfrist zum 1. Juli in Kraft getreten und regelt, welche Informationen Versicherungsunternehmen ihren Kunden vor Abschluss und während der Vertragslaufzeit zukommen lassen müssen. Dr. Peter Präve, Syndikus des GDV, spricht von einer gelungenen Rechtsvereinheitlichung: „Alle Informationspflichten der Versicherer sind jetzt in einer Verordnung geregelt. Damit ist mehr Transparenz gewährleistet und eine kräftezehrende Diskussion beendet, die einen guten Kompromiss zustande gebracht hat.“ Ein Kompromiss, bei dem sowohl Verbraucherschützer als auch Versicherer Federn haben lassen müssen, sagt Präve.

Die wichtigste und für Verbraucher sichtbarste Neuerung aber ist das Produktinformationsblatt, das für neue Verträge spätestens ab 1. Juli verpflichtend ist. Das Blatt muss neun Informationen auflisten: von der Art des Vertrages über mögliche Leistungsausschlüsse bis zur Höhe und Fälligkeit der Versicherungsbeiträge. Will ein Kunde eine Lebens-, Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung abschließen, müssen die Anbieter zusätzlich auflisten, welche Kosten dem Kunden durch Vertrieb und Abschluss des Vertrages entstehen. Diese Abschluss- und Vertriebskosten müssen in Euro auf dem Produktinformationsblatt ausgewiesen werden.

Peter Präve hält gerade diesen Punkt für problematisch: „Abschluss- und Vertriebskosten entstehen ja nicht nur bei Versicherungsverträgen. Sie entstehen auch bei anderen Finanzprodukten, müssen dort aber nicht in Euro und Cent ausgewiesen werden.“ So könne der Kunde nicht zwischen Versicherungsverträgen und anderen Finanzprodukten vergleichen. Außerdem sei zu befürchten, dass ein Kunde diese Kosten mit der Provision seines Versicherungsvermittlers verwechselt und so ein Provisionsgeschacher entsteht. Dabei lässt das Produktinformationsblatt keinen Rückschluss auf die Provision des einzelnen Versicherungsvermittlers zu, sagt Präve. Trotzdem hält er das Blatt für eine gute Erfindung und für einen Fortschritt, weil es die wichtigsten Informationen eines Vertrages enthält und oben auf dem Papierstapel der Versicherungsunterlagen liegen wird. „Das Produktinformationsblatt wird im Wettbewerb unter den Versicherern als Aushängeschild gelten.“

GDV Position:

Das Produktinformationsblatt ist eine gute Erfindung. Es sorgt in der Kundenbeziehung für mehr Transparenz.

Der GDV stellt den Versicherungsunternehmen unverbindlich Muster von Produktinformationsblättern für die einzelnen Versicherungssparten zur Verfügung, die in vorgegebener Reihenfolge alle nötigen Informationen auflisten. So können Verbraucher die Produktinformationsblätter verschiedener Versicherungen nebeneinanderlegen und vergleichen. Vielleicht muss Versicherungsfachmann Lino Janke in Beratungsgesprächen seine Kunden dann mit noch mehr Kompetenz und Serviceangeboten überzeugen. Aber er wird gut gewappnet sein, schließlich will er weiterkommen im Leben: In drei Jahren will er seinen Versicherungsfachwirt machen.

Marcel Roth ist Journalist in Berlin.
Ansprechpartner: Holger Schmitt, Tel. 030/2020-5115.