01.06.2007
Beratungsdokumentation

Schreib das auf!

Seit dem 22. Mai müssen Versicherungsvertreter die Beratungsgespräche mit ihren Kunden dokumentieren. Das erhöht den Schutz für beide. Eigentlich war es eine ganz normale Szene zwischen einer Versicherungsvertreterin und einem Kunden, die da vor ein paar Tagen in einem Berliner Café stattfand: Der Kunde erzählte der Vertreterin, an welche Versicherung er gedacht hatte, sie stellte ihm die Produkte vor, die für ihn infrage kamen, und beriet ihn anschließend bei seiner Wahl.

Aber es war nicht das Beratungsgespräch an sich, das Ralf Bolle im Gedächtnis blieb. Der Referent für Maklerfragen und Außendienst beim GDV saß zufällig am Nebentisch und freute sich eher über das, was die Vermittlerin zum Ende des Gesprächs ihrem Kunden sagte: „So, und jetzt wollen wir das dokumentieren, was wir gerade besprochen haben.“

GDV Position:

Die neue Vermittlerrichtlinie wird die Branche der Versicherungsvertreter weiter professionalisieren. Kunden werden noch besser geschützt.

Die kurze Szene zeigte Bolle, dass sich die Vertreterin schon vor Inkrafttreten der Vermittlerrichtlinie am 22. Mai 2007 auf die neue Dokumentationspflicht bei der Kundenberatung eingestellt hatte. Denn seit dem 22. Mai muss jeder Vermittler schon beim ersten Kontakt den Kunden darüber aufklären, ob er Makler oder Vertreter ist und dass er im Gewerberegister eingetragen ist. Zusätzlich muss der Vermittler dokumentieren, dass der Kunde genau nach seinen Bedürfnissen und Wünschen befragt wurde und warum er welche Produkte empfohlen hat. „So wird der Kunde durch das neue Gesetz noch besser geschützt“, sagt Ralf Bolle.

Der Schutz wird auch durch die neuen Zulassungsregeln gewährleistet. Jeder Vermittler muss nach dem neuen Gesetz eine Gewerbeerlaubnis der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) besitzen. Dafür benötigt er eine Haftpflichtversicherung, die sowohl den Vermittler als auch den Kunden vor finanziellem Schaden bewahren soll, sowie jeweils einen Nachweis seiner Zuverlässigkeit und seiner geordneten Verhältnisse durch ein polizeiliches Führungszeugnis. Außerdem muss eine Sachkundeprüfung absolviert werden, die etwa dem Abschluss eines Versicherungsfachmanns (BWV) entspricht. Diese Prüfung muss zwar niemand ablegen, der schon seit Langem als Vermittler arbeitet. Wer nachweisen kann, dass er mindestens seit dem 31. August 2000 ununterbrochen als Versicherungsvermittler gearbeitet hat, darf sich das Lernen sparen er erhält ohne Sachkundeprüfung die Gewerbeerlaubnis. Für alle anderen besteht jedoch bis zum 31. Dezember 2008 eine Übergangsfrist. Wer in diesem Jahr erst seine Arbeit als Vermittler aufgenommen hat, müsste bereits ab dem 22. Mai die Gewerbeerlaubnis besitzen. Da der auftretende Verwaltungsaufwand aber weder von den Versicherern noch von der IHK auf einen Schlag zu leisten ist, rechnet Bolle mit einer gewissen Kulanz am Anfang: „Wir glauben, dass vom Ausfüllen des Antrags bis zur Erteilung der Vermittlererlaubnis sechs bis acht Wochen vergehen könnten.“

Einen Vorteil bei den neuen Zulassungsbestimmungen besitzen die gebundenen Vermittler, die im Auftrag von nur einem Versicherer tätig sind. In der Regel übernimmt ihr Auftraggeber nicht nur die uneingeschränkte Haftung, die gebundenen Vermittler müssen sich auch nicht bei der IHK melden, da sich ihr Unternehmen um die Registrierung kümmert. Ungebundene Vermittler und Makler hingegen, die für mehrere Versicherer arbeiten, müssen sich selbst um ihre Gewerbeerlaubnis kümmern und dafür etwa 250 bis 350 Euro an Gebühren zahlen, zusätzlich zur Haftpflichtversicherung.

„Das ist ein ganz schön hoher bürokratischer Aufwand, den die Unternehmen und die Vermittler bewältigen müssen“, sagt Ralf Bolle vom GDV. Aber auch wenn es bei der Umsetzung zum Teil etwas hapern wird und auch abzuwarten bleibt, ob Neuerungen wie die Einsicht ins Vermittlerregister von den Kunden angenommen werden, dürfte sich die Umsetzung der Vermittlerverordnung als weitere Professionalisierung der Branche auszahlen. Denn nicht nur die Kunden werden nun noch besser vor etwaigen Schäden geschützt, auch alle Vermittler sind besser abgesichert, da sie ihre Qualifikation mit IHK-Siegel nachweisen können, sie ihre Arbeit transparent und verständlich darstellen müssen und im Notfall immer die Haftpflichtversicherung hinter sich wissen.

Alexander Runte ist freier Journalistin München. GDV-Ansprechpartner: Holger Schmitt, Tel. 030/2020-5115.