25.04.2007
Presseforum der Autoversicherer 2007

Autositztest 2007: Nur geringe Fortschritte beim Insassenschutz

Bei den Autositzen des Modelljahrs 2007 hat es gegenüber den Vorjahren nur geringe Verbesserungen bei den Testergebnissen gegeben. Zwar ist der Anteil der „gut“ getesteten Sitze von 19 auf 28 Prozent gestiegen. Der Anteil der „mäßigen“ Sitze blieb mit 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr jedoch gleich. Und immerhin noch jedes fünfte Automodell (22 Prozent) hat eine schlechte Sitz-Kopfstützen-Kombination (Vorjahr: 29 Prozent). Das haben Aufprallversuche ergeben, die europäische Versicherer mit dem britischen Testinstitut Thatcham durchgeführt haben.

Deutliche Verbesserungen wurden vor allem in der Klasse der Kompakt- und der Geländewagen erzielt. Unter den Geländewagen ist der Anteil der „guten“ Sitze mit 43 Prozent inzwischen am höchsten. Im vergangenen Jahr sah es da noch viel schlechter aus: nur vier von 25 Geländewagensitzen (16 Prozent) schnitten damals „gut“ ab. Erfreulich ist auch, dass die 2007 neu untersuchten Sitze in allen Fahrzeugklassen alle mit einer „guten“ oder zumindest „akzeptablen“ Geometrie aufwarten. Damit ist gewährleistet, dass Kopfstützen sich auch für große Insassen passend einstellen lassen. Dennoch bleibt erheblicher Verbesserungsbedarf. Denn eine gut einstellbare Kopfstütze garantiert noch kein gutes Endergebnis. Die für Deutschland relevanten Testergebnisse wurden jetzt von der Unfallforschung der Versicherer vorgestellt und sind im Internet unter www.unfallforschung-der-versicherer.de veröffentlicht.

Bei Kleinwagen und Minivans besteht derzeit noch der größte Verbesserungsbedarf für den Schutz beim Heckaufprall. Bei den Kleinwagen erreichen nur 8 Prozent der Modelle gute Ergebnisse, hingegen 37 Prozent schlechte, obwohl gerade Insassen kleiner Fahrzeuge naturgemäß höheren Belastungen im Unfallgeschehen ausgesetzt sein können. Aktive Kopfstützen, die meist bessere Schutzwirkung aufweisen als vergleichbare konventionelle Sitzkonstruktionen, sind in diesen Fahrzeugklassen selten verfügbar und müssen dann oft gegen Aufpreis geordert werden. Dass mit sorgfältig entwickelten Sitz-Kopfstützen-Kombinationen eine hohe Schutzwirkung auch ohne aufwendige Technologie erreicht werden kann, zeigen einige positive Beispiele.

Nachdem Ende 2004 eine internationale Arbeitsgruppe von Versicherern zum ersten Mal ein Prüf- und Bewertungsverfahren für die Schutzfunktion von Fahrzeugsitzen gegen Schleudertrauma beim Heckaufprall vorstellte und in den USA und Europa Sitze des Modelljahres 2005 getestet wurden, führte die International Insurance Whiplash Prevention Group (IIWPG) ihre Arbeit nunmehr im dritten Jahr konsequent fort. 43 Sitze des Modelljahres 2007 kamen neu dazu und ergänzen die Resultate aus den Vorjahren. Jetzt kann sich jeder Autokäufer über die Testergebnisse von 185 Sitzen aktueller Fahrzeuge des deutschen Marktes informieren, um die Schutzwirkung gegen Halswirbelsäulenverletzungen beim Heckcrash einschätzen zu können. Nach wie vor stellt ein guter Autositz aber nur einen Baustein der Insassensicherheit beim Heckaufprall dar: Der Insasse selbst, gleich ob Fahrer oder Mitfahrer, muss durch korrekte Kopfstützeneinstellung und geeignete Sitzposition ebenfalls dazu beitragen, das Verletzungsrisiko im Falle des Heckcrashs so gering wie möglich zu halten.

Das im Jahr 2004 durch die IIWPG eingeführte Testverfahren wurde für Fahrzeugsitze des Modelljahres 2007 unverändert angewendet: Es setzt sich zusammen aus einer statischen Prüfung der Sitzgeometrie, die sicherstellen soll, dass sich auch für Insassen unterschiedlicher Körpergrößen Kopfstützen optimal einstellen lassen und einem dynamischen Sitzversuch unter Verwendung eines eigens für Heckaufpralltests konstruierten Dummys. Die dabei auftretende Beschleunigungsbelastung entspricht dem Aufprall in das Heck eines stehenden Fahrzeuges mit etwa 32 km/h. Die am Dummy-Hals gemessenen Belastungen werden bewertet und gemeinsam mit dem Ergebnis der geometrischen Prüfung zu einem Gesamturteil zusammengefasst.

Die Unfallforschung der Versicherer appelliert an die Autohersteller und Zulieferindustrie, weitere Anstrengungen zu unternehmen, Fahrzeugsitze zu verbessern. So ist es beispielsweise nicht hinnehmbar, dass im Jahr 2007 immer noch mehr als zwei Drittel aller Kleinwagenmodelle und 60 Prozent aller Minivans mit mäßigen oder schlechten Sitz-
Kopfstützen-Kombinationen ausgerüstet werden. Dort, wo in einzelnen Ausstattungsvarianten bereits bessere Sitz-Konstruktionen zum Einsatz kommen, sollten alle Modelle serienmäßig damit ausgestattet werden. Auf keinen Fall sollten die Verkaufsbroschüren und Internetauftritte der Autohersteller den Käufer darüber im Unklaren lassen, ob sein Wunschmodell mit optionalen Sicherheitsfeatures wie aktiven Kopfstützen ausgestattet ist oder nicht.

Potsdam, 25. April 2007

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