29.01.2007
45. Verkehrsgerichtstag in Goslar

Arbeitskreis VI – Baustellen auf Autobahnen

Empfehlung des Arbeitskreises

Der AK VI hat nahezu einstimmig folgende Empfehlung verabschiedet.
1. Baustellen auf Autobahnen bringen ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko mit sich, das weit über den unmittelbaren Baustellenbereich hinaus die staugefährdete Zulaufstrecke einschließt. In diesem Bereich trägt der Lkw-Verkehr erheblich zum Unfallgeschehen bei.

2. Der AK hält insofern verstärkte Forschung/Untersuchungen für erforderlich.

3. Der AK empfiehlt für Baustellen von längerer Dauer folgende Maßnahmen:

– Frühzeitige, deutlich wahrnehmbare und auf eine Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer abzielende Hinweise. Zum Beispiel hat für den Lkw-Verkehr die Überkopfbeschilderung (Schilderbrücken oder Kragarme) eine höhere Signalwirkung. Am Beginn der Zulaufstrecke müssen rechtzeitig Lkw-Überholverbote angeordnet werden.

– Innerhalb der Baustelle sollten für den Verkehrsteilnehmer eindeutige Anordnungen und Beschilderungen nach dem Grundsatz „ So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ gelten. Alle Beteiligten sind aufgefordert, die ihnen obliegenden abgestuften Überwachungs- und Kontrollpflichten konsequent wahrzunehmen.

– Konsequente Geschwindigkeitsüberwachung (möglichst stationär) vorrangig vor oder am Beginn der Baustelle.

4. Die länderübergreifende Netzsteuerung (großräumige Umleitungsempfehlungen um baustellenbelastete Autobahnabschnitte) ist unter Nutzung aller Möglichkeiten der Verkehrstelematik weiter zu verbessern.

5. Die länderübergreifende Koordination der Baustellenplanung und des Baustellenmanagements ist ein Erfolg versprechender und zu intensivierender Ansatz.

6. Alle Verantwortlichen sind gefordert, durch größtmögliche Verkürzung der Bauzeit (Verträge mit Bonus/Malussystem, Nachtbaustellen, „6-Tage-Woche“, Ausnutzung der Tageshelligkeit) die Beeinträchtigung für die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf das unumgängliche Maß zu reduzieren.

7. Der anstehende Erhaltungsaufwand wird künftig zu einer erhöhten Zahl von Baustellen auf Autobahnen führen. Die Verkehrsteilnehmer sind gefordert, sich bei der Routenplanung und der Reisezeitkalkulation darauf einzustellen. Das gilt besonders für den Wirtschaftsverkehr.

8. In zivilrechtlicher Hinsicht erinnert der AK an den Grundsatz der Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer, der auch bei Defiziten der Baustellenabsicherung die Haftung der Verantwortlichen unter dem Gesichtspunkt des Mitverschuldens mindern oder entfallen lassen kann.

Downloads

text bild

Empfehlung des Arbeitskreises (RTF, 18KB)

Schlagworte