29.03.2005
Unisex-Tarife

Irrtum 3 und Fazit

Die Einführung von Unisex-Tarifen ist als isolierter Eingriff in das Versicherungssystem möglich. Die Einführung von Unisex- Tarifen hätte zwei Konsequenzen: Für Männer würde sich der Preis einer Rentenversicherung im Vergleich zu den Preisen anderer Finanzprodukte, die von der Umverteilung zugunsten von Frauen ausgenommen sind, verschlechtern. Männer werden daher auf alternative Anlagemöglichkeiten wie z. B. Fondsprodukte ausweichen. Damit aber würden sie Gefahr laufen, im Falle eines unerwartet langen Lebens ihr Altersvorsorge-Kapital vorzeitig zu verzehren. Das Risiko der Altersarmut stiege für Männer an, gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsverluste wären die Folge.

Wenn aber Männer auf andere Finanzprodukte ausweichen können und weitgehend nur noch Frauen bereit sind, eine private Rentenversicherung abzuschließen („adverse Selektion“), bleibt keine Verteilungsmasse für die angestrebte Besserstellung der Frauen. Denn die Versicherungsprämien werden aufgrund der Überzahl von Frauen in den Versichertenkollektiven steigen, bis sie das ursprüngliche Niveau der Frauen-Tarife erreicht haben.

Wer Unisex-Tarife fordert, um Frauen besser zu stellen, kann dies nur um den Preis einer Versicherungspflicht für Riesterprodukte mit vorbestimmter Beitragshöhe, gleichzeitiger Abschaffung von Fondsprodukten mit Auszahlungsplänen und Einführung eines Risikostrukturausgleichs haben. Dies wäre eine massive Einschränkung der Dispositionsfreiheit der Bürger über ihre Einkommen für eine -auch steuerlich erreichbare – Begünstigung von Frauen.

Fazit
Bei den geschlechtsabhängig kalkulierten Tarifen in der privaten Rentenversicherung handelt es sich nicht um eine Diskriminierung, sondern – bezogen auf die jeweilige Lebenszeit – um eine Gleichbehandlung von Männern und Frauen. In der Tat ist im Durchschnitt der Kapitalbedarf für die Altersvorsorge von Frauen – bei einer weiterhin längeren Ruhestands- bzw. Leistungsphase – größer als der von Männern. Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt häufiger Nachteilen ausgesetzt mit der Folge, dass ihre Alterseinkommen im Durchschnitt niedriger als die der Männer sind. Sofern daraus über die Beseitigung der entsprechenden Ursachen auf dem Arbeitsmarkt hinaus weitergehende Umverteilungsforderungen abgeleitet werden, ist das Steuersystem jedoch im Vergleich zur (Sozial-) Versicherung das bessere Instrument.