29.03.2005
Unisex-Tarife

Irrtum 1

Bei den höheren Prämien für Frauen in der Rentenversicherung handelt es sich um eine diskriminierende Preisdifferenzierung. Dass Frauen – nicht nur in Deutschland – im Durchschnitt deutlich länger leben als Männer, ist statistisch belegt. Im Zeitraum von 1998 bis 2000 betrug nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Lebenserwartung neugeborener Jungen 75,1 Jahre, die neugeborener Mädchen hingegen 80,9 Jahre. Die fernere Lebenserwartung eines 60-jährigen Mannes betrug 19 Jahre, die einer Frau im gleichen Alter dagegen mehr als 23 Jahre. Der Anteil von Frauen an den Hochbetagten ist etwa dreimal so hoch wie der der Männer.

Eine Diskriminierung wird aus dem Umstand gefolgert, dass die an sich ja erfreuliche längere Lebenserwartung zu höheren Kosten der Altersvorsorge führt. In der Tat sind die monatlichen Zahlungen aus einer privaten Rentenversicherung bei gleicher monatlicher Prämienzahlung und Beitragsphase bei Frauen geringer als bei Männern. Dies ist die versicherungsmathematische Konsequenz aus der im Vergleich zu Männern durchschnittlich längeren Ruhestands- bzw. Leistungsphase. Aufgrund der längeren Rentenbezugszeit von Frauen ist die Summe der abgezinsten zu erwartenden Rentenleistungen („Barwert“), die Männer und Frauen erhalten, jedoch identisch.

Als Diskriminierung ist eine ungleiche Behandlung von Gleichem anzusehen. Bei einer sachgerechten Differenzierung wie der Risikokalkulation nach der unterschiedlichen Lebenserwartung der Geschlechter ist dies nicht der Fall. Über die Lebenszeit gerechnet liegt hier Gleichbehandlung vor. Entgegen der „Gleichheit“ suggerierenden Bezeichnung „Unisex-Tarif“ werden dagegen bei geschlechtsunabhängiger Kalkulation Männer und Frauen ungleich behandelt. Der Barwert der Rentenleistungen von Frauen wäre im Durchschnitt wegen der nicht an die höhere Lebenserwartung angepassten Kalkulation sowie aufgrund des Zinseszins-Effekts um etwa 10 % höher als bei Männern.

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach Unisex-Tarifen in ihrem Kern nicht als Forderung nach Abstellung einer Diskriminierung, sondern als eine Forderung nach Umverteilung von Männern zu Frauen zu betrachten.